Henning Scherf zum Präsidenten des größten Musikverbandes Europas gewählt

Der frühere Bremer Regierungschef Henning Scherf ist erneut zum Präsidenten des Deutschen Chorverbandes (DCV) gewählt worden. „Chorsingen setzt eine positive Energie frei, die wir gerade jetzt so dringend brauchen“, sagte Scherf nach seiner Wiederwahl am vergangenen Samstag in Heilbronn. „Singen ist ein Lebenselixier, ein Fitmacher für ein selbstbestimmtes Lebens bis ins hohe Alter“, fuhr Scherf fort, selbst begeisterter Chorsänger und Buchautor („Grau ist bunt“).

Mit 700.000 aktiven Sängerinnen und Sängern in 20.000 Chören ist der DCV Europas größte Vereinigung singender Menschen und bietet mit Chorfestivals, Fachkongressen und Publikationen eine Lobby für rund 2,4 Millionen Deutsche, die in ihrer Freizeit im Chor singen. Als musikalischer Fachverband ist der DCV außerdem Träger des bundesweit erfolgreichsten Projektes für das Singen im Kindergarten, das unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und des Sängers Thomas Quasthoff steht. „Es gibt eine neue Lust am Singen, gerade bei jungen Leuten“, stellte Scherf fest. Im Unterschied zu Parteien und Gewerkschaften habe die Chorszene den Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen stoppen können. „Wir sind das Sprachrohr für Menschen quer durch alle Altersstufen und Berufsgruppen, die mit dem gemeinsamen Singen ihren Alltag lebenswerter machen.“ Sichtbare Plattform dafür wird das geplante Zentrum für Chormusik in Berlin-Mitte. Chormusik von Bach bis Zappa erklingt beim nächsten Deutschen Chorfest 2012. Mehrere Städte hatten sich um die Ausrichtung dieses Chormusik-Festivals beworben, Frankfurt am Main erhielt für sein überzeugendes Konzept den Zuschlag.

Kritik übte der DCV an der Empfehlung der Kultusministerkonferenz der Länder, die künftige Generation der Grundschullehrer anstelle des Faches „Musik“ in einem neuen Studienfach „Ästhetik“ auszubilden. Diese Empfehlung mache eine qualifizierte musikalische Ausbildung in der Grundschule praktisch unmöglich, sagte Scherf: „Sie verschlechtert  die Chancen, unseren Kindern eine solide musikalische Grundausbildung auch auf dem Gebiet des Singens zu geben.“ Diese sei aber bedeutend für den Zugang des Menschen zum kulturellen Leben und nach neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung auch eine ideale Grundlage für Kreativität, soziale Kompetenz und lebenslange Bildungsfähigkeit. In einer Resolution fordert der Deutsche Chorverband die Regierungen der Bundesländer auf, der Empfehlung nicht zu folgen und dem Fach „Musik“ wieder ein stärkeres Gewicht in der Ausbildung von Grundschullehrern zu verschaffen.

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