Die Eintracht gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Maintaler Vereinen. An dieser Stelle sollen losgelöst vom roten Faden der chronologischen Vereinsgeschichte verschiedene Einzelaspekte betrachtet werden, Ereignisse und Institutionen, die es für kurze Zeit oder dauerhaft gegeben hat oder noch gibt und die für den einen oder anderen Betrachter mehr oder weniger bemerkenswert oder interessant sein könnten. Auch soll an herausragende und verdiente Persönlichkeiten aus der Geschichte der Eintracht erinnert werden. Nicht zuletzt werden die vielfältigen aktuellen Aktivitäten unseres sehr lebendigen Vereins beschrieben.

 

  1. Heute vorhandene Primär- und Sekundärquellen zur Vereinsgeschichte

Aus der Anfangszeit der Eintracht sind heute nur noch relativ wenige Originaldokumente vorhanden. Die ersten Statuten des Vereins vom Mai 1874 sowie zwei weitere undatierte Fassungen der Statuten, die vermutlich aus den späten 1870er und von etwa 1898 stammen, erstere und letztere mit einem Mitgliederverzeichnis, befinden sich im Stadtarchiv Maintal. Darüber hinaus befindet sich im Stadtarchiv noch ein 46 Namen umfassendes Mitgliederverzeichnis vom 7. August 1887.

Das älteste Originaldokument im Besitz der Eintracht ist ein Mietvertrag zwischen Andreas Keller, dem Gastwirt „Zur Krone“ und dem Gesangverein Eintracht vom 1. Januar 1895, als der Verein 20 Jahre alt war.

Im selben Jahr 1895 beginnt ein Buch mit dem Titel „Bilanzen“, welches vom Kassierer des Vereins geführt wurde und die jährlichen Einnahmen und Ausgaben sowie Angaben über das Geldvermögen enthält.

s hat einen Umfang von 192 vorpaginierten Seiten und umfasst den Zeitraum von 1895 bis 1908 und von 1921 bis 1974. Angaben über die Jahre 1909 bis 1920 fehlen. Das Nachfolgebuch, beginnend mit dem Jahr 1975, wird bis heute geführt.

Zu Beginn des Jahres 1933 legte der Kassierer der Eintracht zwei weitere Bücher an, eines, in dem die Einnahmen, und eines, in dem die Ausgaben der Eintracht zumindest in den ersten Jahren detailliert aufgeführt sind. Das Einnahmenbuch wird bis heute geführt, seit 1996 jedoch nur noch summarisch. Das Ausgabenbuch von 1933 war 1965 voll, sein 1966 beginnendes Nachfolgebuch wird ebenfalls bis heute geführt.

Im Jahr 1924 begann der Schriftführer der Eintracht, die Protokolle sämtlicher Generalversammlungen des Vereins in ein für 3 Mark neu gekauftes Buch einzutragen. Es hat 192 vorpaginierte Seiten und war 1973 voll. Auch hier wird das Nachfolgebuch ab 1974 vom Schriftführer bis heute geführt.

Jahresberichte wurden von den Schriftführern jedes Jahr verfasst und, wie aus den Protokollen ab 1925 ersichtlich, in den Generalversammlungen vorgetragen, diskutiert und gegebenenfalls mit Änderungen oder Ergänzungen genehmigt. Leider wurden sie nie in ein Buch eingetragen. Vorhanden ist ein Ordner, der die Jahresberichte von 1949, 1951, 1954, 1955 und von 1957 bis 1995 enthält. Die Jahresberichte ab 1996 liegen auch in elektronischer Form als Word- oder PDF-Dateien vor. In dem Buch der Bilanzen wird Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre mehrmals auf ein Hauptbuch verwiesen, welches anscheinend die Namen der Vereinsmitglieder und deren Beitragszahlungen enthielt. Sein Verbleib ist uns nicht bekannt. Ebenfalls ist uns nicht bekannt, ob es zu den oben genannten Büchern Vorgänger gegeben hat oder ob die Kassenberichte und Protokolle zuvor auf losen Blättern erstellt wurden. Was es auch war, diese Unterlagen sind derzeit nicht mehr aufzufinden.

An alten Fotos ist der Eintracht eine eindrucksvolle großformatige Fotomontage erhalten, die die Frauen dem Verein 1910 aus Anlass des 25-jährigen Fahnenjubiläums gewidmet haben (siehe links). Es zeigt 98 Männer, vermutlich sämtliche damaligen Vereinsmitglieder, in einer idealisierten Landschaft mit Bänken, Bäumen, Lauben, der Vereinsfahne und dem Bischofsheimer Dorfbrunnen, wobei die Landschaft vermutlich zumindest teilweise gemalt ist, die Gesichter der Männer jedoch von Fotos hineinkopiert wurden. Eine ebenfalls noch vorhandene Schablone zu diesem Bild enthält die Umrisse der Männer mit ihren Namen, so dass wir heute noch jedem der Männer auf dem Bild seinen Namen zuordnen können.

Einige weitere alte Fotos aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg zeigen Gruppen von Personen bei verschiedenen Anlässen, bei denen man ungefähr Jahr und Anlass kennt, aber selten weiß, wer abgebildet ist. Vorhanden sind auch noch etliche alte Urkunden von Wertungssingen usw. sowie verschiedene Pokale, Erinnerungsplaketten usw., die die Eintracht anlässlich verschiedener Jubiläen und Teilnahmen an Wettbewerben oder ähnlichem erhalten hat.

Zu den Primärquellen der Eintracht-Geschichte müssen auch die Mitteilungsblätter gezählt werden, die in den Jahren 1966 bis um 1970 herausgegeben wurden und die vereinsinternen Rundschreiben der Vorsitzenden ab 1970.

Die bedeutendste Sekundärquelle ist eine im März 1933 von dem damaligen 1. Kassierer Heinrich Filz angelegte Liste der Eintracht-Mitglieder ab Gründung, die allerdings nicht diejenigen Mitglieder enthält, die vor 1926 wieder aus dem Verein ausgetreten sind. Als Primärquellen nennt Heinrich Filz „verschiedene alte Vereinsbücher“, ohne diese näher zu spezifizieren. Die Filz-Liste wurde bis in den 2. Weltkrieg ergänzt.

Weitere Sekundärquellen sind die vier Festschriften der Eintracht, die bisher anlässlich ihrer Vereinsjubiläen in den Jahren 1954 (80 Jahre), 1964 (90 Jahre), 1974 (100 Jahre) und 1999 (125 Jahre) erschienen sind. Wir bitten die Leser dieser Zeilen, speziell die Nachkommen ehemaliger Mitglieder, besonders ehemaliger Vorstandsmitglieder, ganz herzlich: Falls sich in Ihrem Besitz alte Dokumente, die sich auf die Eintracht beziehen, z. B. Jahresberichte, Urkunden, Briefe, Fotos, Zeitungsausschnitte oder ähnliches befinden sollten,

stellen Sie uns diese bitte kurzzeitig zur Verfügung, damit wir sie kopieren oder fotografieren können, um ihren Inhalt dem Verein zu erhalten. Sie erhalten sie selbstverständlich zurück.

 

  1. Die Vereinsgründung und die Entwicklung der Mitgliederzahlen

Der Gesangverein Eintracht Bischofsheim wurde im Frühjahr 1874 gegründet. Das genaue Datum ist nicht bekannt, aber da die ersten Statuten im Mai 1874 unterschrieben wurden, hat die  kon- stituierende erste Versammlung sicher spätestens im Mai stattgefunden. Laut Filz-Liste wurde der Verein im Mai 1874 von 35 Männern gegründet, von denen 8 bis zu ihrem Tod dem Verein treu blieben. Die restlichen 27 müssen irgendwann vor 1926 wieder ausgetreten sein. Den Autoren der Festschrift zum 80-jährigen Jubiläum 1954 waren die den ersten Statuten beigeheftete Namensliste und die Filz-Liste offensichtlich nicht bekannt, denn diese Festschrift nennt die Namen von 20 Gründern, von denen 5 dem Verein bis zu ihrem Tode die Treue gehalten haben. Vergleicht man die 35 Namen der Gründer, die Heinrich Filz ermittelt hat, mit den 31 „Nahmen der Mitglieder“ von der Liste, die den ersten Statuten beigeheftet war (plus den beiden Vorstandsmitgliedern), stellt man fest, dass nur 27 Namen auf beiden Listen stehen, bei zwei weiteren ist es unsicher. Von den 20 Namen der Festschrift von 1954 fehlen 5 in den beiden anderen Listen. Fazit: die Sekundärquellen sind unzuverlässig. Vermutlich gibt die den ersten Statuten von 1874 beigeheftete Liste der „Nahmen der Mitglieder“ die tatsächlichen Gründungsmitglieder der Eintracht wieder.  Es sind dies neben den Vorstandsmitgliedern Philipp See und Andreas Krebs folgende Männer, aufgelistet in der Reihenfolge wie in der Liste: Friedrich Will, Peter Heck, Wilhelm Krebs, Wilhelm Theodor Fritz, Peter Grimm, Jean Andreas Fritz, Georg Grimm, Johannes Seip, Andreas Reuhl, Peter Uhrig, Philipp Krebs, Peter Reuhl, Wilhelm Wörn, Johannes Reitz, Wilhelm Krebs, Wilhelm Rohrbach, Christian Schwarz, Bernhard Klees, Johannes Will, Heinrich Goßmann, Andreas Keller, Friedrich Walzer, Andreas Seibel, Bernhard Sterlepper, Ernst Reuhl, Philipp Maisch, Jakob Kratz, Andreas Rohrbach, Peter Reuhl, Friedrich Walzer und Justus Grimm. Es gab bei den Gründern also 3 Paare von Namensvettern.

usführliche Listen von sämtlichen zahlenden Mitgliedern liegen uns für die Jahre 1921 bis 1925 vor:

  • 1921: 121 Mitglieder
  • 1922: 130 Mitglieder
  • 1923: 142 Mitglieder
  • 1924: 162 Mitglieder
  • 1925: 161 Mitglieder.

Man sieht in dieser Zeit einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Wohlgemerkt: das sind nur die zahlenden Mitglieder, dazu kommen noch die Ehrenmitglieder, die 25 und mehr Jahre Mitglied und deshalb beitragsfrei waren.

Für die folgenden Jahre liegen uns keine Mitgliederzahlen mehr vor. Erst wieder für die Jahre 1932 bis 1938 nennt uns die Filz-Liste die Mitgliederzahlen, zum Teil sogar aufgeschlüsselt.

Die Mitgliederzahl stieg bis Ende 1933 auf 237 (111 Aktive und 126 Passive, davon waren 55 Ehrenmitglieder, von diesen wiederum waren 37 seit 25-39 Jahren, 12 seit 40-49 Jahren und 6 seit 50 und mehr Jahren Mitglied) an, um bis Ende 1938 wieder auf 186 zu sinken. Während des Krieges dürfte die Zahl weiter zurückgegangen sein.

Im Jahr der Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit 1948 scheint der Verein mit etwa 100 Mitgliedern neu begonnen zu haben. Bis 1960 erhöhte sich die Zahl auf etwa 160.

Von da an liegen uns genauere Zahlen vor:

Bis 1981 gab es einen mehr oder weniger kontinuierlichen Anstieg auf den Höchststand von 265 Mitgliedern, dann sank die Zahl langsam wieder ab bis auf derzeit 175 Mitglieder (Stand 31.12.2013). Von diesen sind 87 passiv, 63 singen im Traditionschor und 52 in den Voices of Harmony. Wie man aus diesen Zahlen unschwer errechnen kann, singen 27 Sänger und Sängerinnen in beiden Chören.

 

  1. Die Vereinslokale

Von Anfang an war das Gasthaus „Zur Krone“, das der Familie Keller gehörte, das Vereinslokal. Der Kronenwirt Andreas Keller war einer der Gründer der Eintracht. Das Gasthaus befand sich in dem heute noch vorhandenen Haus Obergasse 1 und blieb 94 Jahre lang, bis zum Jahr 1968, das Vereinslokal der Eintracht. Der Mietvertrag aus dem Jahr 1895 wurde bereits oben erwähnt. Er ist in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum der Eintracht von 1999 abgebildet. In dem im 1. Obergeschoss des Hauses liegenden Saal der Gaststätte fanden nicht nur die wöchentlichen Singstunden, sondern auch die jährlichen Generalversammlungen und viele Veranstaltungen des Vereins statt, z. B. Winzerabende, Maskenbälle, Kappensitzungen und auch die heute noch jährlich stattfindenden Familienabende.

Am 14. Juni 1968 wurde in Bischofsheim in Anwesenheit des damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Dr. Georg August Zinn das neue Rathaus feierlich eingeweiht, das uns  mittlerweile von der Stadt Maintal schon wieder abgerissen worden ist. Auch die Eintracht sang bei der Einweihungsfeier und zog noch im selben Jahr von der „Krone“ ins neue Rathaus um. Sieben Jahre lang hielt der Verein seine Chorproben, Versammlungen und andere Veranstaltungen im Gemeinschaftsraum des Rathauses ab, bis er wieder sein Domizil wechselte und 1975 ins Evangelische Gemeindehaus in der Rhönstraße 2 Ecke Wellenpfad umzog.

 

  1. Die Vereinsfahne

Im Jahr 1885, die Eintracht war gerade 11 Jahre alt, stifteten die Frauen der Eintracht eine Vereinsfahne, auf die der Verein offensichtlich sehr stolz war, denn es wurden in der Folgezeit nicht nur die runden Jahrestage der Vereinsgründung, sondern auch Fahnenjubiläen gefeiert. Welche Bedeutung die Fahne als Objekt der Identifikation mit dem Verein früher hatte, geht schon daraus hervor, dass bis 1932 jährlich in der Generalversammlung ein Fahnenträger gewählt wurde, dessen Aufgabe es war, zusammen mit einigen Begleitern, die anfangs auch in der Generalversammlung gewählt, später dann aber von Fall zu Fall bestimmt wurden, die Fahne bei öffentlichen Anlässen zu präsentieren.

Durch den häufigen Gebrauch hatte sich der Zustand der Fahne im Laufe der Zeit verschlechtert, denn zum 75-jährigen Fahnenjubiläum 1960 wurde sie von einem Mitglied renoviert. Sie wird auch heute noch bei Konzerten und anderen öffentlichen Auftritten der Eintracht gezeigt.

 

  1. Der Vorstand

Laut Statuten von 1874 bestand der Vorstand zunächst aus drei Personen, die alle aktive Sänger sein mussten: dem Vorsitzenden oder Präsidenten, dem Kassierer und dem Schriftführer. Für einen Verein von 20 bis 40 Mitgliedern war dies ausreichend, aber mit wachsender Mitgliederzahl wurde auch der Vorstand vergrößert. Bis zur Jahrhundertwende wurde er um den 2. Präsidenten und den 2. Kassierer auf 5 Personen erweitert, bis 1925 waren der 2. Schriftführer und der Archivar (Sachwalter) dazu gekommen, zu denen 1927 noch der 2. Archivar als 8. Mitglied kam. Eine weitere Vergrößerung des Vorstands erfolgte ab 1949 durch das Hinzufügen einer unterschiedlichen Zahl von Beisitzern, das sind stimmberechtigte Vorstandsmitglieder ohne besonderen Aufgabenbereich. Auch gehörten dem Vorstand immer wieder für kürzere oder längere Zeit Mitglieder mit speziellen Aufgaben an. Seine größte Ausdehnung hatte der Eintracht-Vorstand mit 17 Mitgliedern in den Jahren 1955 bis 1957. Derzeit besteht unser Vorstand aus 12 Frauen und Männern, dazu kommen noch die drei

Ehrenvorstandsmitglieder.

Da die Vorstandsmitglieder in den jährlichen Generalversammlungen des Vereins gewählt werden, sind ihre Namen ab 1925 lückenlos aus den seit diesem Jahr vorhandenen Protokollen zu ersehen. Für die ersten 50 Jahre der Eintracht sind die Informationen dagegen sehr lückenhaft.

Die Festschrift zum 80-jährigen Vereinsjubiläum 1954 nennt die Namen der 1. Vorsitzenden von 1874 bis 1954, jedoch ohne anzugeben, in welchen Jahren wer den Vorsitz innehatte. Aus den derzeit uns vorliegenden Unterlagen lässt sich dies auch nur teilweise rekonstruieren. Hier die Namen aller Vorsitzenden mit Daten, soweit bisher ermittelt, die ersten sechs in der Reihenfolge wie 1954 angegeben:

  1. Vorsitzende der Eintracht von 1874 bis 2014
  • Philipp See – ab 1874 bis nach 1875, unterschrieb 1874 und 1875 die Statuten
  • Daniel Grimm – vermutlich in den 1880er Jahren
  • Friedrich Firnges – um 1895, unterschrieb 1895 den Mietvertrag, nochmals um 1904/05
  • Philipp See – etwa 1897 bis nach 1907, Sohn des Vorsitzenden von 1874,

   war insgesamt 22 Jahre lang 1. Vorsitzender

  • Peter Keller – vermutlich vor 1910
  • Jakob Wörn – etwa 1911 bis etwa 1923 und nochmals 1926 bis 1929, war 15 Jahre lang
  1. Vorsitzender
  • Friedrich Geibel – etwa 1923 bis 1926
  • Karl Engelhardt – 1929 bis 1952 und nochmals einige Monate 1957
  • Theodor Seiboldt – 1952 bis 1957
  • Horst Stahr – 1957 bis 1962
  • Helmut Krebs – 1962 bis 1973, 1973 als Vorsitzender gestorben
  • Friedrich Prax – 1973 bis 1990, 1990 als Vorsitzender gestorben
  • Karl Plomer – 1990 bis 1994, 1994 als Vorsitzender gestorben
  • Egon Schneider – 1994 bis 2013
  • Winfried Schoor – seit 2013, 2019 als Vorsitzender gestorben

   Gabriele Herzog – seit 2020

 

  1. Ehrenvorsitzende und Ehrenvorstandsmitglieder

Es ist bei der Eintracht eine lange Tradition, verdiente langjährige Vorsitzende und Vorstandsmitglieder nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt zu Ehrenvorsitzenden bzw. Ehrenvorstandsmitgliedern zu ernennen. So erwähnen die Protokolle der Jahre 1931/32 gleich vier noch lebende Ehrenvorsitzende, nämlich Philipp See, Peter Keller, Friedrich Firnges und Jakob Wörn. Zwei von diesen lebten 1954 noch, denn die Festschrift zum 80-jährigen Vereinsjubiläum enthält ein Foto, das die Ehrenvorsitzenden Philipp See (mittlerweile 89 Jahre alt), Jakob Wörn und Karl Engelhardt (1929 bis 1955 im Vorstand, davon von 1929 bis 1952 als 1. Vorsitzender) zeigt. Später war auch Theodor Seiboldt (1929 bis 1961 im Vorstand, davon 5 Jahre als 1. Vorsitzender) Ehrenvorsitzender. Zu Ehrenvorstandsmitgliedern ernannt wurden nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorstand die beiden langjährigen Kassierer Heinrich Sparwald (von 1927 bis 1967 im Vorstand) und Walter Gepperth (von 1956 bis 2001 im Vorstand),

die langjährigen Schriftführer bzw. Sachwalter Johannes Keller (von 1951 bis 1977 im Vorstand) und Andreas Reuhl (von 1951 bis 1991 im Vorstand) sowie Heinrich Ebert (von 1967 bis 1977 im Vorstand) und Walter Krebs (von 1951 bis 1991 im Vorstand). Nach einigen Jahren ohne haben wir jetzt mit Helmut Heun (von 1975 bis 2011 im Vorstand) und Eugen Seip (von 1961 bis 2013 im Vorstand) wieder zwei Ehrenvorstandsmitglieder und mit Egon Schneider (von 1963 bis 2013 im Vorstand, davon von 1994 bis 2013 als 1. Vorsitzender) einen Ehrenvorsitzenden.

Auch von den derzeitigen Vorstandsmitgliedern sind einige schon sehr lange dabei:

Kurt Schneitzer seit 1977, davon die letzten 23 Jahre als 1. Schriftführer, Cyrill Antes mit einer Unterbrechung von 3 Jahren seit 1980, Rainer Kluß seit 1995, Joachim Becker seit 2000 und Regina Adis seit 2004.

 

  1. Ehrenmitglieder

In den Jahren zwischen der Jahrhundertwende und den 1930er Jahren wurden Mitglieder nach 25 Jahren Mitgliedschaft im Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt und hatten dann keine Vereinsbeiträge mehr zu zahlen. Wegen der wirtschaftlich angespannten Lage und weil abzusehen war, dass das Verhältnis von zahlenden Mitgliedern zu Ehrenmitgliedern immer ungünstiger werden würde, wurde in der Generalversammlung 1931 beschlossen, auch von den Ehrenmitgliedern Beiträge zu erheben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden keine mehr ernannt, so dass die Eintracht jetzt keine Ehrenmitglieder mehr hat.

 

  1. Dirigenten und Vizedirigenten

Die Qualität eines Chors steht und fällt nicht nur mit den gesanglichen Qualitäten und dem Fleiß der Sänger, sondern ganz besonders auch mit der Qualität des Dirigenten. In den ersten Jahrzehnten der Eintracht scheinen die Dirigenten häufig gewechselt zu haben. In der Festschrift von 1954 sind für die Zeit bis zum 1. Weltkrieg 7 Namen genannt, ein weiterer im Mitteilungsblatt vom Mai 1966. Belege über Dauer und Zeitraum ihrer Tätigkeit liegen uns keine vor. Da die Dirigenten immer ein Gehalt bezogen, geben uns die noch vorhandenen Kassenbücher des Vereins erst ab 1921 genaue Auskunft über die Dauer ihrer Tätigkeit bei der Eintracht.

Hier die Namen der Dirigenten:

  • Klaus – Lehrer aus Hochstadt, soll 1874 der erste Dirigent gewesen sein
  • Pappert – aus Frankfurt
  • Rückert – aus Niederdorfelden
  • Kohlhepp – aus Niederdorfelden
  • Wilhelm Bauscher – Schüler am Konservatorium in Frankfurt
  • Philipp Knöll – Lehrer aus Bischofsheim, von 1890 bis 1901, später Ehrendirigent
  • Hartmann – Lehrer, Großvater des späteren Vorsitzenden Theodor Seiboldt
  • Wilhelm Seip – aus Bischofsheim, von vor 1910 bis November 1935, hatte 1926 ein

   Dirigentenjubiläum. Welches? 20 Jahre? 25 Jahre?

  • Wilhelm Wetter – aus Enkheim, von November 1935 bis Juni 1944
  • Hans Eisermann – aus Hanau-Kesselstadt, von Juni 1948 bis Dezember 1955
  • Reinhold Daus – aus Klein-Krotzenburg, von Januar 1956 bis Dezember 1993
  • Sergio Goldberg – aus Buenos Aires / Frankfurt, seit Januar 1994

Lehrer Knöll, später Konrektor, wurde in den 1920er und frühen 1930er Jahren, zuletzt 1934, in den Protokollen als Ehrendirigent bezeichnet und ist auch auf dem Foto zum Fahnenjubiläum 1910 abgebildet, obwohl er zu dieser Zeit nicht mehr Dirigent der Eintracht war.

Neben den hauptamtlichen Dirigenten hat die Eintracht seit mindestens 90 Jahren auch ehrenamtliche Vizedirigenten, die sich aus den Reihen der Sänger rekrutieren und deren Aufgabe es ist, an Stelle des  Dirigenten bei dessen Abwesenheit Chorproben abzuhalten und den Chor zu dirigieren, was besonders häufig bei Ständchen und

Begräbnissen der Fall ist. Diese Vizedirigenten wurden früher in der Generalversammlung ernannt. Selbstverständlich kann nicht jeder beliebige Sänger Vizedirigent werden, es müssen dafür erweiterte musikalische Kenntnisse und das Wissen über die Technik des Dirigierens vorhanden sein oder erworben werden. Die Vizedirigenten gehörten ursprünglich nicht dem Vorstand des Vereins an, es sei denn, sie hatten einen anderen Vorstandsposten. Später wurde die sinnvolle Regel eingeführt, dass der Vizedirigent automatisch Mitglied des Vorstands ist.

Von den Vizedirigenten ist neben Theodor Seiboldt besonders Heinz Seip hervorzuheben, der in den 35 Jahren seiner Tätigkeit als erster Vizedirigent nicht nur viele Chorproben abhielt und ungezählte Ständchen dirigierte, sondern auch für anspruchsvollere Konzerte verantwortlich war. Erinnert sei dabei vor allem an die Auftritte des Chors 1998 unter seiner Leitung während des Besuchs der Eintracht in der Partnerstadt Esztergom.

Die Vizedirigenten seit 1925:

  • Ernst Seiboldt – von vor 1925 bis 1933
  • Theodor Seiboldt – von etwa 1935 bis 1968, übte diese Tätigkeit neben seinen Posten

   im Vorstand (2. Vorsitzender, 1. Vorsitzender, Beisitzer) aus und sprang auch als

   Ehrenvorsitzender später noch bei Bedarf für Heinz Seip ein

  • Hans Engelhardt – um 1954 bis etwa 1957
  • Heinz Seip – von 1966 bis 2001
  • Christoph Otte – von 1986 bis 2011, ab 1991 im Vorstand
  • Winfried Schoor – seit 2010 bis 2019

 

  1. Die Liederkommission

In den 1920er Jahren wurde in der Generalversammlung, manchmal auch in den Gesangstunden, jährlich eine Liederkommission gewählt, meistens bestehend aus 8 Sängern, deren Aufgabe es war, Vorschläge für Lieder zu machen und diese mit dem Vorstand und dem Dirigenten zu diskutieren. Sie hatte nur beratende Funktion, denn damals wie heute hatte der Dirigent die alleinige musikalische Leitung und wenn der ein bestimmtes Lied nicht wollte, wurde es eben nicht gesungen, auch wenn die Mehrheit der Sänger dafür war. Im Juni 1933 wurde die Liederkommission letztmals bestätigt, dann wurde sie in den Protokollen nicht mehr erwähnt.

 

  1. Der Kassierer und die Vereinskasse

Ohne Geld funktioniert nichts, deshalb braucht jeder Verein eine Vereinskasse, und der Posten des Kassierers ist neben dem des Vereinsvorsitzenden der wichtigste und einflussreichste im Vorstand. Der Kassierer verwaltet das Geldvermögen des Vereins und muss jährlich, in den ersten Jahrzehnten musste er es sogar halbjährlich, einen Bericht über Einnahmen, Ausgaben und Kassenbestand vorlegen. Kontrolliert wird er dabei von den jährlich zwei oder drei Revisoren, die darauf achten, dass alle Geldflüsse ordentlich belegt sind. Die Revisoren werden ebenso wie der Kassierer von der Generalversammlung aus den Reihen der Mitglieder gewählt und dürfen nicht dem Vorstand angehören. So soll verhindert werden, dass Kassierer und/oder Vorstand in die eigene Tasche wirtschaften. Rückblickend über die letzten 90 Jahre, das ist die Zeit, die wir anhand noch vorhandener Unterlagen überblicken können, muss gesagt werden, dass die Eintracht immer äußerst korrekte und fähige Kassierer hatte, die auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten stets den Verein funktionsfähig hielten. Es gab in der gesamten Zeit von den Revisoren nicht eine einzige Beanstandung. Im Vorstand der Eintracht ist der Posten des Kassierers auch der mit der größten Kontinuität: von 1922 bis 2013 hatte die Eintracht nur fünf 1. Kassierer.

  1. Kassierer seit 1922:
  • Anton Günther – von 1922 bis 1926
  • Heinrich Filz – von 1926 bis 1936
  • Heinrich Sparwald – von 1936 bis 1959
  • Walter Gepperth – von 1959 bis 1996
  • Jürgen Böttner – von 1996 bis 2013
  • Dr. Johannes Becherer – von 2014

Die Aufgabe des Kassierers ist oft nicht einfach. Es muss ihm gelingen, auch bei schwankenden Einnahmen die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben so auszutarieren, dass der Verein nie in eine finanzielle Schieflage gerät. Dies ist allen Kassierern vorzüglich gelungen. Mehrmals wurden sie vom Vorsitzenden ausdrücklich gelobt, so z. B., als in den Jahren 1931 und 1932 trotz des Ausfalls vieler Mitgliedsbeiträge durch die grassierende hohe Arbeitslosigkeit unter den Mitgliedern noch ein geringer Überschuss erwirtschaftet werden konnte. Auch für das Jahr 1937 erntete der Kassierer hohes Lob, da er 30 Sängern, die zum 12. Bundessängerfest nach Breslau reisten, einen Zuschuss von 5 RM pro Sänger gewährte, auch wegen 7 Jubilarehrungen beim Familienabend Geld zuschießen musste und trotzdem das Jahr mit einem geringen Gewinn abschließen konnte. Das Geldvermögen des Vereins schwankte von Jahr zu Jahr, aber die Grundtendenz ging in den einzelnen vergleichbaren Zeiträumen, für die uns die Zahlen vorliegen, immer nach oben. Als Kuriosität soll hier noch das Geldvermögen der Eintracht zum Ende des Rechnungsjahrs 1923 genannt werden.

Am 31.12.1923 besaß die Eintracht an Bargeld und Sparkassenguthaben unglaubliche 18 818 828 484 830 (etwa 18,8 Billionen) Mark. Dann kam die Währungsreform und das Geld war nichts mehr wert.

 

  1. Vereinsdiener oder Unterkassierer

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurde in den Generalversammlungen ein Vereinsdiener bestimmt, der ein jährliches Gehalt erhielt. Seine Hauptaufgabe war es, monatlich von den Mitgliedern die Beiträge zu kassieren. Ab 1933 wurde der Vereinsdiener, der nicht dem Vorstand angehörte, auch als Unterkassierer bezeichnet. Nach dem Krieg wurde die Bezeichnung Vereinsdiener nicht mehr benutzt. Im Zeitalter der bargeldlosen Überweisungen hatte er immer weniger zu tun. Deswegen hat die Eintracht seit 1995 keinen Unterkassierer mehr.

 

  1. Die Mitgliedsbeiträge

Die Entwicklung der Mitgliedsbeiträge ist ein Spiegelbild der Zeitgeschichte. Als die Eintracht 1874 gegründet wurde, war das Deutsche Kaiserreich gerade 3 Jahre alt. Seit langer Zeit hatte man in unserer Gegend die Guldenwährung, dazu kamen noch die Vereinstaler. Der Gulden teilte sich auf in 15 Batzen oder 60 Kreuzer. Nach der Gründung des Kaiserreichs 1871 wurde ein Gesetz erlassen, die Währung im gesamten Reichsgebiet zu vereinheitlichen. Die Mark zu 100 Pfennig wurde eingeführt. Die ersten Pfennigmünzen wurden 1873 geprägt, 1876 erfolgte dann die Währungsumstellung, wobei 35 Kreuzer gegen eine Mark getauscht werden konnten. Die Umstellung war für unsere Vorfahren genauso einschneidend wie für uns die Umstellung von DM auf Euro im Jahr 2002. Nach den Statuten der Eintracht von 1874 betrug der Mitgliedsbeitrag pro Woche 6 Kreuzer. Vermutlich wurde er vom Kassierer wöchentlich in den Gesangstunden einkassiert. Fehlte der Sänger entschuldigt, z. B. wegen Krankheit oder auch berufsbedingter Abwesenheit, brauchte er in dieser Woche auch keinen Beitrag zu bezahlen. Unentschuldigtes Fehlen wurde jedoch mit 3 Kreuzern Strafgeld geahndet. Es gab also keinen festen Jahresbeitrag. Nahm ein Sänger im Jahr an z. B. an 49 Chorproben teil und fehlte nie unentschuldigt, dann hatte er 294 Kreuzer oder umgerechnet genau 8,40 Mark gezahlt. Nach der Umstellung auf Mark und Pfennig war der Beitrag 10 Pfennig pro Woche, der Jahresbeitrag also rund 5 Mark. Er blieb anscheinend mindestens bis zur Jahrhundertwende unverändert. Unbekannt ist, wann genau von Wochen- auf Monatsbeiträge umgestellt wurde. Im Jahr 1907 waren es noch Wochenbeiträge, 1921 schon Monatsbeiträge. Ob die Beiträge noch vor dem 1. Weltkrieg erhöht wurden, ist uns nicht bekannt. Erst ab 1921 liegen genaue Zahlen vor. In diesem Jahr wurden 12 Monatsbeiträge zu je 1,25 Mark erhoben, woraus sich ein Jahresbeitrag von 15,00 Mark errechnet. Dann deutete sich die Inflation schon an.

Von Januar bis August 1922 lag der Monatsbeitrag bei 2,50 Mark und stieg für die letzten 4 Monate auf 5,00 Mark pro Monat, Jahresbeitrag also 40 Mark. 1923 galoppierte die Inflation. Hier die Monatsbeiträge: Januar bis März: 60 Mark, April: 100 Mark, Mai: 200 Mark, Juni und Juli: 1500 Mark, August: 11 000 Mark, September: 505 000 Mark, Oktober : 92 000 000 (92 Millionen) Mark, November: 29 700 000 000 (29,7 Milliarden) Mark. Im Dezember war dann der Gipfel erreicht. Der Monatsbeitrag betrug stolze 45 000 000 000 (45 Milliarden) Mark. Die Währungsreform bescherte Deutschland wieder eine stabile Währung.

Im Jahr 1924 wurden 13 Monatsbeiträge (im Mai doppelt) zu je 40 Pfennig eingesammelt, zusammen also 5,20 Mark Jahresbeitrag. Die Generalversammlungen von 1925 und 1926 beschlossen Beitragserhöhungen auf 50 Pfennig und dann auf 70 Pfennig pro Monat, also 6,00 und dann 8,40 Mark Jahresbeitrag. Dieser Beitrag wurde bis 1941 nicht erhöht.

Nach dem Krieg begann die Eintracht 1948 mit einem Monatsbeitrag von 60 Pfennig (7,20 DM pro Jahr). Erhöhungen folgten in den Jahren 1950 auf 80 Pfennig (9,60 DM pro Jahr), 1959 auf 1,00 DM (12 DM pro Jahr), 1962 auf 1,50 DM (18 DM pro Jahr) und 1972 auf 2,00 DM (24 DM pro Jahr). 1979 wurde der Monatsbeitrag für die arbeitenden Mitglieder auf 3,00 DM (36 DM pro Jahr) erhöht, während er für die Rentner noch 10 Jahre auf dem alten Stand blieb und erst 1989 auf den der arbeitenden Sänger angehoben wurde. 1991 wurde der Monatsbeitrag für alle auf 4,00 DM (48 DM pro Jahr) erhöht und blieb so bis zum Ende der DM. Mit der Währungsumstellung auf den Euro im Jahr 2002 wurde der Jahresbeitrag auf 30 € festgesetzt und 2009 auf 36 € erhöht. Die bislang letzte Erhöhung auf 40 € erfolgte 2012.

Interessant ist der Vergleich der Mitgliedsbeiträge als wichtigster Einnahmequelle mit dem Dirigentengehalt als dem größten Ausgabenposten: In den Jahren 1924 bis 1941 (die Jahre davor sind wegen der Inflation, die Jahre 1942-1944 wegen dem fortschreitenden Weltkrieg nicht vergleichbar) reichten durchschnittlich 75 % der Mitgliedsbeiträge aus, um den Dirigenten zu bezahlen. In den Jahren 1948 bis 1969 reichten im Schnitt sogar 71 %. Im Durchschnitt der Jahre 1970 bis 2001 mussten 95 % der Mitgliedsbeiträge für das Dirigentengehalt ausgegeben werden und seit der Einführung des Euro von 2002 bis 2012 waren es 112 %. Wie man sieht, ist der Verein heutzutage auf zusätzliche Einnahmen durch Spenden, Eintrittsgelder und aus Veranstaltungen angewiesen. Die unter diesem Aspekt betrachtet wirklich sehr moderaten Mitgliedsbeiträge reichen nicht aus.

 

  1. Sonstige Funktionen außerhalb des Vorstands

In einem Verein gibt es viel zu tun. Nicht alle Tätigkeiten müssen vom Vorstand erledigt werden. Je mehr Mitglieder sich für solche speziellen Tätigkeiten, die ihnen besonders liegen und die sie gerne erledigen, bereitfinden, je besser funktioniert ein Verein. Über die Revisoren, den Vereinsdiener und Unterkassierer, die Liederkommission, den Fahnenträger und seine Begleiter wurde bereits berichtet. Doch es gibt noch mehr. In der Generalversammlung 1961 wurde auf Vorschlag des Vorstands beschlossen, zwei Mitglieder zu wählen, die im Namen des Vereins die kranken und bettlägerigen Mitglieder besuchen. Darüber hinaus hatte der Verein eingeführt, jedem Mitglied, ob aktiv oder passiv, zu seinem Geburtstag eine Glückwunschkarte zu schicken. Diese Aufgabe wurde ebenfalls einem Mitglied, das nicht dem Vorstand angehörte, übertragen.

Ein Konzert sollte nicht nur eine Aneinanderreihung von Liedern sein. Viel besser kommt es beim Publikum an, wenn ein Moderator dabei ist, der zwischen den Liedvorträgen verbindende Worte spricht, gewürzt mit Informationen und Anekdoten. Diese Aufgabe hat ab Anfang der 1970er Jahre lange Zeit unser ehemals aktives Mitglied Pfarrer Helmut Siebert übernommen, in den letzten Jahren moderierte unser Sänger Helmut Stoy gekonnt die Konzerte der Eintracht.

Alle Jahre wieder kommt am Familienabend der Eintracht der Nikolaus, um die im ablaufenden Jahr besonders aktiven Sänger zu belohnen und die anderen zu ermahnen. Seit 1973 spielt diese Rolle unser Sänger Cyrill Antes.

Es ist ein bewegender, ein trauriger Anlass, wenn man von einer Sängerin oder einem Sänger für immer Abschied nehmen muss. Und nicht jeder ist in der Lage, bei der Trauerfeier die geeigneten Worte der Anerkennung für den Verstorbenen und des Beileids und des Trostes für die Angehörigen und Freunde zu finden. Unser Sänger Hans Enders hat sie 15 Jahre lang immer gefunden.

 

  1. Der Sachbesitz des Vereins

Während der Besitz des Vereins an Finanzmitteln seit seiner Gründung vom Kassierer verwaltet wird, ist für den Sachbesitz der Sachwalter zuständig. Dieser Vorstandsposten wurde bis in die 1930er Jahre als Archivar bezeichnet, danach wurden lange Zeit beide Begriffe verwendet, bis sich in den letzten 50 Jahren die Bezeichnung Sachwalter oder Sachverwalter durchgesetzt hat. Ebenso wie der Kassierer über das Geldvermögen gibt auch der Sachwalter jährlich in der Generalversammlung einen Überblick über den Sachbesitz, über den in den Protokollen jedoch nur selten ausführlich berichtet wird.

Der für einen Gesangverein wichtigste Besitz sind die Partituren, nach denen die Chöre gelernt und gesungen werden. Wichtig ist auch ein Klavier. In der Anfangszeit des Vereins hat der Dirigent mit seiner Geige den Ton angegeben. Wann der Verein sein erstes Klavier gekauft hat, geht aus den vorhandenen Unterlagen nicht hervor. Ende der 1920er Jahre bestand ein Klavierfonds. Etwa 1931 muss ein Klavier gekauft worden sein, denn 1932 zahlte der Musikverein der Eintracht 1 Mark für Klavierbenutzung. Als die Eintracht nach dem 2. Weltkrieg 1948 wieder mit dem Singen begann, war kein Klavier mehr vorhanden. Für eine Übergangszeit durfte der Chor das private Klavier des Vereinswirts Keller benutzen, doch schon 1949 konnte die Eintracht ein neues Klavier kaufen. Das nächste Klavier wurde 1975 nach dem Umzug ins Evangelische Gemeindehaus angeschafft. Es kostete den Verein 6000 DM. 1200 DM steuerte die Evangelische Kirchengemeinde bei und erwarb sich damit das Mitbenutzungsrecht.

Ein für den Verein wichtiger Besitz war und ist die Vereinsfahne mit Zubehör.

Mitte der 1920er Jahre besaß die Eintracht etwa 3000 Gläser, die sie auch verlieh. Das Kassenbuch enthält aus dem Gläserverleih Einnahmen vom Gesangverein Liederlust, vom Gesangverein Frohsinn Hochstadt, vom Feuerwehrfest in Dörnigheim, von einem Gastwirt in Roßdorf, von der Sängervereinigung Enkheim, vom Fußballklub Hochstadt, vom Turnverein Bischofsheim, vom Sportkartell Enkheim und von Ausleihern aus Wachenbuchen und Mittelbuchen. 1924 wurden etwa 650 Gläser zum Preis von 19 Pfennig pro Stück nachgekauft. Als Leihgebühr wurden 3 Pfennig, für Gläserbruch 18 Pfennig pro Glas berechnet. Diese Gläserwirtschaft war vermutlich zu aufwendig und zu wenig lukrativ, denn ab 1928 wurden keine Gläser mehr verliehen. 1931 wurden überschüssige Gläser verkauft.

1952 gehörten auch drei Luftgewehre zum Besitz des Vereins. Neun Jahre später musste der Sachwalter vermelden, dass eines der Luftgewehre auf unbekannte Weise abhanden gekommen ist.

Als die Eintracht später begann, Feste auszurichten wie z. B. die Zeltkerb und sich am Straßenfest beteiligte, wurde auch dafür allerlei Zubehör angeschafft.

1966/67 wurde ernsthaft darüber nachgedacht, für die Eintracht ein eigenes Vereinsheim zu bauen. Es wurde sogar schon ein Aufbaufonds eingerichtet, um Geld dafür anzusparen. Das Vorhaben wurde dann aber nicht weiter verfolgt und der Aufbaufonds 1971 wieder aufgelöst.

 

  1. Notenblätter und Partituren

In der Anfangszeit des Vereins gab es für die Sänger noch keine gedruckten Partituren. Gesungen wurde nach handgeschriebenen Noten. Jeder Sänger hatte ein Notenbuch, in das die Noten und die Texte der Lieder von Hand eingeschrieben worden waren. Es gab für jede Stimme, Tenor I und II, Bass I und II getrennte Bücher. Wann damit angefangen wurde, gedruckte Partituren zu kaufen, wurde bis jetzt noch nicht ermittelt. Sicher wurde über einen längeren Übergangszeitraum beides parallel benutzt, ehe letztlich die handgeschriebenen Noten aussortiert wurden. Um 1900 herum waren sie noch in Gebrauch. Einige der handgeschriebenen Notenbücher sind heute noch vorhanden. Abgebildet ist hier ein Buch vom 1. Bass im Format 25×16 cm. Sein stark abgegriffener und ramponierter Zustand zeugt von einer langen Benutzung. Das 1. Lied in diesem Buch ist das Bundeslied „Brüder, reicht die Hand zum Bunde“, dessen Melodie Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben wird, was nicht unumstritten ist.

Im Laufe der Jahre kaufte der Verein immer mehr Chöre. In den Generalversammlungen trug der Archivar/Sachwalter jährlich vor, wie viele Chorwerke der Verein besaß. Bis zum Jahr 1951 hatte sich an Liedgut ein Bestand von 38 Chören und 102 Volksliedern angesammelt, der sich bis zum Jahr 2004 auf 262 Chöre und Lieder vergrößerte, die nun wegen der Umwandlung des Chors vom Männerchor in einen gemischten Chor aussortiert werden mussten. Bis zur Generalversammlung Anfang April 2004 waren für den gemischten Chor immerhin schon die Partituren von 9 Liedern angeschafft. Bis jetzt (Stand 31.12.2013) ist die Zahl auf 69 für den Traditionschor und 25 für die Voices of Harmony gestiegen.

 

  1. Konzerte, Wertungssingen, Beteiligung an Veranstaltungen anderer Vereine

Zweck eines Gesangvereins ist, wie schon in den Statuten festgelegt, die Ausübung und Pflege des Chorgesangs. Dabei genügt es den Sängern natürlich nicht, nur für sich alleine zu singen, man will auch zeigen, was man kann. Deshalb veranstaltet jeder Gesangverein öffentliche Konzerte und Liederabende. Vor 1928 gab es in Bischofsheim anscheinend keine für Konzerte geeigneten Räumlichkeiten, denn die Eintracht veranstaltete ihre Konzerte im Volkshaus Enkheim. 1928 baute die Turnerschaft Bischofsheim ihre Turnhalle, wozu ihr die Eintracht 400 Mark lieh. Von da an fanden die Konzerte und etliche andere Veranstaltungen der Eintracht in der Turnhalle statt. Auch nach dem 2. Weltkrieg musste wieder nach Hochstadt oder Enkheim ausgewichen werden. Mitte der 1950er wurden auch in der Filmbühne Konzerte veranstaltet, ehe die Turnhalle wieder zur Verfügung stand. In den letzten Jahrzehnten wurden der Saal im Bürgerhaus oder in kleinerem Rahmen die evangelische  Kirche für Konzerte genutzt.

Um das Können mit dem anderer Vereine vergleichen zu können, waren früher auch Wertungs-, Kritik- oder Konkurrenzsingen beliebt, bei denen Sachverständige engagiert wurden, die hinterher die Leistung der Vereine beurteilten. Von solchen Veranstaltungen liegen uns einige Urkunden vor, als Beispiele seien die in Vilbel 1912 und in Camberg 1976 ersungenen Urkunden hier gezeigt.

Sehr häufig nahm die Eintracht auch Einladungen anderer Vereine und Organisationen an, um bei deren Veranstaltungen zu singen. Dabei konnte der Chor bei Liederabenden zeigen, was er drauf hatte, und gleichzeitig Eigenwerbung betreiben. Weniger angenehm für die Sänger waren Auftritte in Festzelten, wenn das Publikum seine Aufmerksamkeit eher seinen Getränken und den Gesprächen mit den Tischnachbarn widmete als dem dargebotenen Gesang. Aber auch diese mussten sein, denn man hatte gegenüber befreundeten Vereinen Verpflichtungen nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere“ und zur Bewahrung der Freundschaft muss man auch in saure Äpfel beißen. Ein besonderes Ereignis fand im Februar 1938 statt: Die Eintracht sang im Reichssender Frankfurt. Laut Kassenbuch zahlte der Sender dafür 50 Reichsmark an Spesen.

 

  1. Beteiligung bei Einweihungen

öffentlicher Einrichtungen

Wann immer nach dem 2. Weltkrieg in Bischofsheim ein öffentliches Gebäude oder sonst eine Anlage eingeweiht wurde, stellte sich die Eintracht gerne zur Verfügung, um mit ihrem Gesang die Veranstaltung feierlich zu umrahmen. In den Jahresberichten ist die Beteiligung des Chors der Eintracht bei folgenden Anlässen festgehalten:

  • 09.11.1958: Einweihung des Erweiterungsbaus der Waldschule,
  • 25.06.1960: Einweihung des Kindergartens mit Dorfgemeinschaftshaus in der Gänsseestraße,
  • 20.11.1960: Einweihung des Kriegerehrenmals für die Opfer des 2. Weltkriegs,
  • 19.11.1967: Einweihung der Trauerhalle auf dem Friedhof,
  • 14.06.1968: Einweihung des neuen Rathauses,
  • 11.07.1970: Einweihung des Erholungsgebiets am Gänsseeweiher,
  • 08.02.1976: Einweihung des neuen Bürgerhauses,
  • 12.05.1979: Einweihung des Musikpavillons am Gänsseeweiher.

 

  1. Kleiderordnung

Über die Vereinskleidung ist in den Protokollen wenig zu finden. Wenn man jedoch die alten Bilder betrachtet, kann man erkennen, dass vermutlich von Anfang an auf ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild des Chors bei den Auftritten geachtet wurde. Vor dem 60-jährigen Vereinsjubiläum 1934 wurde beschlossen, Vereinsmützen zu kaufen. Außerdem wurden die Sänger angehalten, zum Jubiläumskonzert möglichst einheitlich mit Mütze, schwarzem Binder, weißem Hemd und dunklem Anzug zu erscheinen.

In der Jahresgeneralversammlung 1979 wurde der Vorschlag gemacht, für den Chor eine einheitliche Bekleidung anzuschaffen. Dies wurde damals als undurchführbar abgelehnt. Im Jahr 1990 war es dann doch soweit. Der Verein kaufte für die Sänger einheitliche Anzüge und Krawatten, die seither von den Männern bei öffentlichen Auftritten getragen werden. Die Frauen haben keine Vereinskleidung. Sie treten mit schwarzer Hose, schwarzer Jacke und weißer Bluse, geschmückt mit roter Rose oder goldenem Violinschlüssel auf. Die Frauen der Voices of Harmony tragen bei ihren Auftritten schwarze Hosen oder Röcke und weiße Blusen mit lila Schal, die Männer schwarze Hosen und weiße Hemden mit lila Einstecktuch.

 

  1. Vereinsnachrichten: das Mitteilungsblatt und die vereinsinternen Rundschreiben

In der 2. Hälfte der 1960er Jahre hatte die Eintracht sogar ein eigenes Mitteilungsblatt im Format DIN A5, das zunächst im Abstand von 2 Monaten, ab 1967 im Abstand von 3 Monaten herausgegeben und kostenlos an die aktiven und passiven Mitglieder verteilt wurde. Auch interessierte Nichtmitglieder konnten die Hefte erhalten. Die Mitteilungen Nr. 1 erschienen im Mai 1966.  Initiator und Schriftleiter war Gerhard Gadegast, der 1964 zur Eintracht gestoßen war. Er hatte die Vorstellung, sie zu einem lebendigen Forum für die aktiven und passiven Mitglieder werden zu lassen, in dem Informationen ausgetauscht und Meinungen zu verschiedenen Themen mitgeteilt und diskutiert werden sollten, war aber schon bald enttäuscht über die mangelnde Resonanz, denn man las die Mitteilungen zwar gerne, aber kaum einer außer ihm selbst und dem Vorsitzenden Helmut Krebs beteiligte sich regelmäßig mit Beiträgen. So war es kein Wunder, dass dem Mitteilungsblatt kein dauerhafter Erfolg beschieden war. Uns liegen die Hefte Nr. 1-4 von 1966, Nr. 5-8 von 1967, Nr. 9 vom Januar 1968 und ein weiteres Heft von Anfang 1970 vor, bei dem leider das Deckblatt mit Nummer und Ausgabedatum fehlt. Unsere Frage: Hat jemand von den Lesern weitere Blätter außer den genannten? Weiß jemand, wie viele Mitteilungsblätter insgesamt erschienen sind und wann das letzte herauskam? Gerhard Gadegast war 4 Jahre, von Februar 1967 bis Februar 1971, als Herausgeber des Mitteilungsblatts im Vorstand der Eintracht. Für die folgenden 3 Jahre war Heinz Zoller für die Vereinsnachrichten verantwortlich. Mitteilungsblätter aus dieser Zeit liegen aber keine vor. Dafür haben die Vorstände ab 1970 bis heute in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Rundschreiben an die Mitglieder geschickt. Wohl wissend um die Trägheit ihrer Herde erwarteten sie keine, zumindest keine schriftliche Resonanz, sondern wollten lediglich aktive und passive Mitglieder gleichermaßen über die Vorgänge und Planungen im Verein aus erster Hand informieren.

 

  1. Vereinsfeste und andere Aktivitäten

Die Eintracht singt nicht nur, sie ist auch ein Verein, der immer zu feiern verstand. Leider sind uns aus den ersten 50 Jahren keine Einzelheiten über Vereinsfeiern bekannt. Aus dem Jahr 1879 liegt im Stadtarchiv Maintal jedoch eine Königlich Landratsamtliche Verfügung vor, in der ein Antrag der Eintracht  auf   Verlängerung   der  Polizei-

stunde ablehnend beschieden wurde. Sicher hatte der Verein die Verlängerung nicht nur wegen des Singens beantragt.

Für die Zeit zwischen den Weltkriegen berichten die Protokolle von Sommerfesten, Gartenfesten und Familienabenden, häufig mit Tanz. Auch im Anschluss an Konzerte wurde öfter getanzt. Die längste Tradition bei der Eintracht scheint der auch heute noch jährlich einmal stattfindende Familienabend zu haben, bei dem seit jeher die Jubilare geehrt wurden. Wann er eingeführt wurde, wissen wir nicht. 1924 gab es ihn schon. Jahrelang traf man sich auch am 2. Weihnachtstag zum Frühschoppen. An weiteren Aktivitäten des Vereins sind erwähnenswert die in der Zwischenkriegszeit fast jährlich stattfindenden Kirchweihverlosungen. Auch als Schauspieler versuchten sich die Sänger: mehrmals wurden Theaterabende veranstaltet, wofür laut Kassenbuch auch Theaterkostüme gekauft wurden. Nach dem 2. Weltkrieg feierte die Eintracht jahrelang Winzerfeste, gelegentlich auch Bunte Abende, einmal auch ein Schlachtfest, bei dem das leidtragende Tier von einem Mitglied gekauft wurde.

Man organisierte gemeinsame Opern- und Schauspielbesuche und nahm in den 1970er und 1980er Jahren an Bischofsheimer Vereinsfußballturnieren und Schützenwettkämpfen teil, die vom Fußballverein und vom Schützenverein veranstaltet wurden, und zwar mit großem Erfolg: Bei 14 Teilnahmen am Vereinsfußballturnier gewann die Eintracht fünfmal. Und den Wanderpokal der Schützen durfte die Eintracht nach ihrem 3. Erfolg behalten.

1966 fand auf dem Festplatz am Wald die erste Zeltkerb statt. Organisiert und durchgeführt wurde die über Jahrzehnte bei den Bischofsheimern beliebte Mehrtagesveranstaltung von der Eintracht. Wörtlich heißt es im Jahresbericht 1966, geschrieben vom damaligen 2. Schriftführer Egon Schneider: „Als Höhepunkt der Veranstaltungen im Jahr 1966 kann die Kirchweih im September bezeichnet werden, die durch die Initiative der Eintracht ein neues Gesicht bekam. Es hieß immer, die Leute haben dafür kein Interesse mehr. Dass dies nicht der Fall ist, konnten wir beweisen. Nachdem eine Woche vorher durch eigene Leute ein Zelt für ca. 1200 Personen errichtet wurde, eröffneten wir die Festtage am Freitagabend mit einem Lampionumzug für die Kinder. Gleich der Auftakt war ein großer Erfolg. Das Zelt war gut besetzt und die Mannschaften an den Ständen hatten voll zu tun.

Am Samstagabend war Tanz und da gab es kaum einen freien Platz im Zelt. Schon um 9 Uhr am Sonntagmorgen ging es weiter. Eine große    Einsatzübung der Rot-Kreuz-Ortsgruppe und der freiwilligen Feuerwehr, Darbietungen des Musik-Corps, der Liederlust, der Turner und der Eintracht und dazu noch schönes Wetter zogen Menschen aus nah und fern an. Auch der Nachmittag und der Abend brachten ein volles Haus. Der Ausklang am Montag war nicht weniger erfolgreich. Nochmals gab es an allen Ständen so viel zu tun, dass selbst nicht eingeteilte Mitglieder zur Bewältigung des Andrangs eingesetzt werden mussten.

Der Eintracht taten es in der Folgezeit etliche andere Bischofsheimer Vereine nach, so dass jedes Jahr ein anderer Verein als Veranstalter fungierte. Die Eintracht war es insgesamt acht Mal, das letzte Mal im Jahr 1994. Der Personal-, Zeit- und Arbeitsaufwand, der jedes Mal für die Zeltkerb aufzubringen war, war enorm und belastete die veranstaltenden Vereine so stark, dass immer mehr ausstiegen, zumal das Publikumsinteresse für diese im September liegende Veranstaltung zuletzt deutlich zurückging. Dieser Rückgang war sicher auch durch eine gewisse Übersättigung verursacht, bedingt durch das immer beliebter werdende Bischemer Straßenfest im August, das erstmals im Jahr 1980 aus Anlass der 1100-Jahrfeier des Ortes organisiert wurde.

 

  1. Faschingsveranstaltungen

Faschingsveranstaltungen haben bei der Eintracht eine lange Tradition. Seit den 1920er Jahren bis in die 1950er veranstaltete die Eintracht außer im Krieg und den Jahren danach fast jährlich am Samstag vor Fastnacht ihren Maskenball. Dann ruhten die närrischen Aktivitäten über 10 Jahre lang. Erst 1966 wurde in der „Krone“ wieder ein Kappenabend veranstaltet. Ob außer Musik auch ein närrisches Programm geboten wurde, ist in den Protokollen nicht überliefert. Überliefert ist dies jedoch für den Kappenabend 1967, in dem in der „Krone“ einige Büttenreden gehalten wurden und der vom 1. Vorsitzenden Helmut Krebs persönlich mit einer Reihe von Schunkelliedern abgerundet wurde. Diese Veranstaltung darf als die Geburtsstunde des Eintracht-Faschings neuerer Prägung angesehen werden. Das Vereinslokal „Zur Krone“ reichte für den Publikumsandrang nun nicht mehr aus. 1969 fand der Eintracht-Fasching im Rathaus statt, nach 2 Jahren in der Turnhalle zog man für 5 Jahre ins Haus der Begegnung (HdB) in der Rhönstraße um, um nach einem Jahr Pause wieder in der Turnhalle zu feiern. Von 1991 bis 1995 feierten die Eintracht-Narren in noch größerem Rahmen im Bürgerhaus, ehe man zur Verminderung des Organisationsaufwands wieder ins HdB umzog.

Am 25. Januar 2014 werden dort wieder bei der dann 46. Eintracht-Sitzung die Narren los sein. Seit der 1. Sitzung ist eines gleich geblieben: das Programm wurde immer zum allergrößten Teil von den Eintracht-Mitgliedern hausgemacht. Unterstützung erhielten sie dabei immer wieder durch die befreundeten Blau-Weißen der Freien Turnerschaft Dörnigheim. Erinnert sei an Eintracht-Büttenredner der ersten Jahre wie Otto Adis, Erich Weber, Heinz Ebert, Heinz Zoller und nicht zuletzt Cyrill Antes, der ab 1974 Sitzungspräsident und Hauptorganisator des Eintracht-Faschings war. Zu ihnen gesellten sich in den 1970er und 1980er Jahren Pfarrer Helmut Siebert, Lilo und Herbert Hausotter, Lothar Adis und viele andere, die es als Büttenredner immer wieder verstanden, wahre Lachsalven hervorzurufen. Bemerkenswert war auch die Operetten-Mix-Companie, die von 1984 bis 1994 über Jahre hinweg das Publikum mit Parodien von Operetten und prominenten Persönlichkeiten begeisterte.

Von 1978 bis 1996 wurde der Eintracht-Fasching von einem Siebenerrat regiert.

Im Jahr 1973 taten sich einige Sänger zusammen, um mit Stimmungsliedern die Faschingssitzungen zu bereichern. Erstmals traten sie in der Sitzung im Februar 1974 unter der Bezeichnung Eintracht-Quartett auf, dann als Schoppesänger, Bembelsänger, Eintrachtsänger und dann wieder Bembelsänger und als solche sind sie heute noch ein fester Bestandteil des Eintracht-Faschings. 2013 feierten sie ihr 40-jähriges Bestehen. Natürlich hat sich die Zusammensetzung der Gruppe in den 40 Jahren geändert. Aktuell besteht sie (in alphabetischer Reihenfolge) aus Heinz Ebert, Hans Enders, Wolfram Eschelbach, Günter Hindenach, Rainer Kluß, Günter Röhr, Egon Schneider und Winfried Schoor. Musikalisches Arrangement und musikalische Begleitung liegen in den Händen von Werner Dörr. Nur einer der genannten war vom ersten Jahr 1973 an bis heute dabei: Heinz Ebert.

Eine weitere Gesanggruppe des Eintracht-Faschings wurde von Winfried Schoor im Jahr 2008 gegründet: die Hofsänger der Eintracht. Die aus mittlerweile etwa 30 Sängerinnen und Sängern bestehende Gruppe trägt zum jeweiligen Jahresthema der Sitzungen passende Lieder vor.

In der Sitzung des Jahres 2010 übergab Cyrill Antes aus Altersgründen das Zepter des Sitzungspräsidenten an Winfried Schoor, der seither für den Eintracht-Fasching verantwortlich zeichnet.

Wie es sich für ordentliche Faschingssitzungen gehört, werden auch bei den Eintracht-Sitzungen Faschingsorden an die Akteure verteilt.

Die Entwürfe für diese Orden stammten bis in die letzten Jahre von unserem Faschings-Urgestein Cyrill Antes.

Schon in den 1980er und 1990er Jahren nahm die Eintracht an den Maintaler Faschingsumzügen teil. Nach einigen Jahren Pause marschierte die Eintracht mit einer Fußgruppe bei den Umzügen 2012 und 2013 wieder mit.

Die 5. Jahreszeit endet bei der Eintracht seit Ende der 1970er Jahre alljährlich mit dem Heringsessen im Evangelischen Gemeindehaus, mit dem bei vorzüglichem selbstgemachtem Heringssalat und Pellkartoffeln und mit einem kleinen Programm die Saison ausklingt.

 

  1. Ausflüge und Wanderungen

In einer Generalversammlung im April 1925 wurde angemerkt, dass der Verein seit etlichen Jahren keinen Ausflug mehr gemacht hat. Aus dieser Bemerkung darf geschlossen werden, dass es auch in den ersten 50 Jahren der Eintracht-Geschichte Vereinsausflüge gegeben hat. Dies wurde nun wieder aufgegriffen und nach einigen Diskussionsbeiträgen entschied man sich für Aschaffenburg als Reiseziel. Weitere Reiseziele in der Zwischenkriegszeit waren Gelnhausen, Klingenberg, das Wispertal und der Rhein, das Lahntal und Koblenz. Der bemerkenswerteste Ausflug war die Busfahrt von 30 Sängern der Eintracht zum 12. Bundessängerfest, das vom 28. Juli bis zum 1. August 1937 in Breslau stattfand. Geplant war auch der Besuch des Bundessängerfests 1940 in Wien, das wegen des Krieges abgesagt werden musste.

 

Nach dem Krieg wurde schon 1949 wieder mit Ausflügen begonnen, die zunächst nur in die nähere Umgebung führten, z. B. nach Kahl, Seligenstadt oder Neu-Isenburg. Später besuchte die Eintracht auch etwas weiter entfernte Ziele wie Schwetzingen, Bad Brückenau, Nierstein, Gaudernbach im Westerwald, Limburg, Idar-Oberstein und Neustadt in der Pfalz. Wurden zunächst nur Tagesausflüge gemacht, kamen später auch Mehrtagesausflüge dazu. Der erste Mehrtagesausflug führte 1989 über 5 Tage in die Maintaler Partnerstadt Moosburg nach Kärnten. 1998 war die Partnerstadt Esztergom in Ungarn für 7 Tage das Ziel. Für das Jahr 1988 war sogar ein Besuch in Brasilien geplant, der jedoch wegen zu vieler Absagen letztlich nicht stattfinden konnte. Seit 2002 wurden abwechselnd in den Jahren mit gerader Jahreszahl Tagesausflüge, in denen mit ungerader Jahreszahl Mehrtagesausflüge veranstaltet. Hier die Reiseziele seit dem Jahr 2000:

2000: Wernigerode und der Harz (4 Tage); 2001: Bernkastel-Kues; 2002: die Rhön; 2003: das Elsass (4 Tage); 2004: Fulda; 2005: Dresden (4 Tage); 2006: Erbach und Heidelberg; 2007: Trier, Luxemburg und Aachen (4 Tage); 2008: Marburg; 2009: Bayrischer Wald (4 Tage); 2010: Bad Kissingen; 2011: Bremerhaven (4 Tage); 2012: Köln; 2013: Bodensee (4 Tage). Die Fahrten der letzten Jahre wurden vorzüglich geplant und organisiert von unserem Vorstandsmitglied Rainer Kluß, dem wir an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön sagen.

Neben den Ausflügen veranstaltete die Eintracht seit 1967 auch Vereinswanderungen, meistens verbunden mit einem gemütlichen Beisammensein mit Essen und Trinken und viel Gesang am Ziel der Wanderung. Ziele waren der Buchwald, Enkheim oder der Berger Hang, auch mal Hochstadt oder Rumpenheim. In den letzten 10 Jahren ging es immer zum Hoffest der Blau-Weißen nach Dörnigheim, aber die Sänger werden immer lauffauler und der Zuspruch lässt sehr zu wünschen übrig.

 

  1. Das Filmteam und die Filmabende

Der Gesangverein Eintracht pflegt seit deren Gründung im Jahr 1963 eine enge Freundschaft mit  den  Bischofsheimer  Schmalfilm-   und   Videofreunden, die daraus erwachsen ist, dass einige Sänger gleichzeitig Hobbyfilmer waren und sind. Das Eintracht-Filmteam Heinz Zoller und Herbert Hausotter begann schon Mitte der 1960er Jahre damit, viele Aktivitäten der Eintracht auf Zelluloid zu bannen. Fortgeführt wurde dies später durch Klaus Klein, Werner Duda, Richard Weisheitel und Helmut Stoy. Anfangs zeigte man die Filme bei Familienabenden. Seit 1973 veranstaltet die Eintracht alljährlich zum Jahresausklang zwischen Weihnachten und Silvester einen Filmabend der Erinnerungen, an dem eine bunte Mischung aus neuem und altem gezeigt wird.

 

  1. Bewirtung

Sänger sind oft durstig, denn trockene Stimmbänder bringen keinen klaren Ton hervor. Deshalb ist die Versorgung der Sänger mit Getränken während der Chorproben wichtig für die Stimme und beim gemütlichen Teil nach den Chorproben wichtig für die Stimmung. Sicher hat anfangs der Vereinswirt selber den in seinem Saal probenden Sängern die Flüssigkeitszufuhr ermöglicht, aber ab Anfang der 1960er Jahre wird in den Protokollen eine Frau Josefine Benning erwähnt, die in der „Krone“ für die Sänger gesorgt hat.

Als dann 1968 der Umzug ins Rathaus erfolgte, musste eine andere Lösung gefunden werden. Sie fand sich in Inge und Eugen Seip, die gleich nach dem Umzug die Bewirtung übernahmen – und es heute noch tun. Liebe Inge, lieber Eugen, es erscheint uns allen so selbstverständlich, dass ihr uns mit Getränken und nach den Chorproben auch mit einem Imbiss wie Rindswurst, Bratwurst, Sülze, Heringen, Frikadellen,  Handkäs mit Musik oder Fleischkäse mit Spiegelei versorgt. Die allermeisten von uns kennen es nicht anders, denn nur wenige sind schon länger als 45 Jahre aktiv und so lange schon kümmert ihr euch um das Wohl der Sänger. Wenn ihr gelegentlich verhindert seid, gibt es gleich lange Gesichter. Trotzdem werden viele sicher erst dann, wenn ihr es einmal nicht mehr machen könnt, erkennen, welch riesengroßen Beitrag zum Wohlfühlklima bei der Eintracht ihr geleistet habt und noch leistet. Dafür sei euch an dieser Stelle ganz herzlich gedankt. Wir wünschen uns, dass ihr noch etliche Jahre weitermacht und euch wünschen wir Fitness und gute Gesundheit und dass ihr mindestens so alt werdet wie eure Vorgängerin Frau Benning, der die Eintracht am 10. Juni 1993 ein Ständchen zu ihrem 100. Geburtstag singen konnte.

 

  1. Eifrige Sänger

In der Anfangszeit des Vereins herrschten strenge Regeln. Die aktiven Sänger mussten sich laut Statuten verpflichten, an den Gesangstunden teilzunehmen und sich bei Verhinderung vorher beim Vorstand zu entschuldigen. Unentschuldigtes Fernbleiben wurde mit 3 Kreuzern, später mit 20 Pfennig Strafe geahndet und wenn einer viermal hintereinander unentschuldigt fehlte, konnte er nach § 9 der Statuten (3. Fassung) aus dem Verein ausgeschlossen werden. Leider liegen uns heute keine Belege mehr vor, ob dieser Fall jemals eingetreten ist, auch wissen wir nicht, wie viele Sänger durchschnittlich fehlten. Durch die Protokolle der Generalversammlungen zieht sich über all die Jahre wie ein roter Faden die Mahnung, die Gesangstunden möglichst regelmäßig zu besuchen. Häufig wurde auch notiert, wie gut der Besuch war. Er scheint sich über die Jahre wenig verändert zu haben. Früher wie heute liegt er durchschnittlich bei 75-85 % der aktiven Sänger. Aber es gab immer wieder Sänger, die im Laufe eines Jahres nicht eine einzige Chorprobe versäumten. Um diese besonders eifrigen Sänger zu belohnen und um einen Anreiz zu schaffen, möglichst immer zu erscheinen, wurden früher am Jahresende Prämien verteilt. 1934 z. B. haben 7 Sänger nie gefehlt, dafür bekamen sie als Anerkennung ein Päckchen Rauchwaren. Die 9 Sänger, die 1937 immer da waren, erhielten je ein Apfelweinglas mit Namen und Jahreszahl und dem Zeichen des Deutschen Sängerbundes.

1938 waren es sogar 15 Sänger, die dieses Apfelweinglas erhielten, davon 4 schon zum 2. Mal hintereinander. Die 11 Sänger, die 1954 bei sämtlichen Proben anwesend waren, erhielten je einen Aschenbecher. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die jährlichen Urlaubsfahrten in Mode kamen und es deshalb immer weniger Sänger gab, die nie fehlten, wurden die Regeln gelockert und alle die, die maximal 4 Chorproben im Jahr versäumt haben, erhielten einen Weinrömer mit ihrem Namen. Einen kleinen Likörrömer erhielten die, die maximal einen Auswärtstermin versäumten. Das waren dann auch jedes Jahr ziemlich viele Sänger, von denen mancher wohl eine ganze Gläsersammlung zu Hause angesammelt hat. Einmal gaben zwei Sänger ihre Gläser an andere weiter, die, weil sie auf Schicht arbeiteten, nie die Chance hatten, selbst eines zu bekommen. Eine sehr noble, kameradschaftliche Geste!

Aber auch bis in unsere Tage gab und gibt es ganz eifrige Sänger, die bei keiner einzigen Gesangstunde im Jahr gefehlt haben. Ein ganz besonderes Kunststück, das wohl nie wieder übertroffen werden wird, gelang zwei Sängern in den Jahren 1971 bis 1974: Sie fehlten 4 Jahre lang hintereinander bei keiner einzigen Chorprobe! Es waren dies unser damals aktives und heute passives Mitglied Horst Gruber und unser heute noch aktiver Sänger Michael Kletter. Alle Achtung!

Als die Gläser immer teurer wurden, wurde nach 2000 die Vergabe dieser Prämien aus Kostengründen eingestellt.

 

  1. Treue Sänger

Im Verlaufe der 140-jährigen Vereinsgeschichte hat es nicht wenige Mitglieder gegeben, die dem Verein über 50 Jahre als aktive Sänger treu geblieben sind. Den Vereinsrekord halten Johannes Keller und Heinrich Ebert. Johannes Keller trat 1902 als 20-jähriger junger Mann in die Eintracht ein und sang 70 Jahre lang bis zu seinem 90. Geburtstag 1972. Heinrich Ebert trat 1925 als 18-jähriger ein und feierte 1995 sein 70-jähriges Sangesjubiläum bei der Eintracht.

Auch im Jubiläumsjahr 2014 werden 6 aktive Sänger seit 50 und mehr Jahren Mitglied der Eintracht sein.

Am längsten aktiv ist jedoch unser ältester Sänger Hans Enders, der im Januar unseres Jubiläumsjahrs 88 Jahre alt wird. Er trat 1949 in seinem damaligen Wohnort Frankfurt-Ginnheim in den Männerchor 1856 Ginnheim ein. Nach dessen Auflösung 1989 sang er 4 Jahre im Chor des Turnvereins TSV Ginnheim und wechselte dann nach seinem Umzug nach Bischofsheim im Jahr 1993 zur Eintracht. Er kann also 2014 sein 65-jähriges Sangesjubiläum feiern.

Allen unseren treuen alten Sängern wünschen wir, dass sie noch möglichst lange gesund bleiben und weiterhin viel Freude am Singen haben.

 

  1. Ehrungen

Am 9. Juni 1974 nahm der damalige 1. Vorsitzende Friedrich Prax in Borken bei Kassel aus der Hand des hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald die Zelter-Plakette für den Gesangverein Eintracht in Empfang. Die Zelter-Plakette wurde im Jahr 1956 vom Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet. Sie wird als Auszeichnung für Chorvereinigungen verliehen, die mindestens 100 Jahre bestehen und sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben. Die Plakette aus Bronze ist hochoval (16 cm hoch und 14 cm breit). Auf der Vorderseite zeigt sie ein Porträt von Carl Friedrich Zelter (11.12.1758-15.05.1832) mit Namensumschrift, auf der Rückseite den Bundesadler mit der Umschrift „Für Verdienste um Chorgesang und Volkslied“. Sie wird zusammen mit einer Urkunde überreicht. Die Urkunde der Eintracht wurde schon am 24. März 1974 ausgestellt und trägt die Unterschrift des Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der am 1. Juli 1974 aus dem Amt schied.

Carl Friedrich Zelter war ab 1800 Leiter der Berliner Singakademie und gründete 1809 die Berliner „Liedertafel“. Im gleichen Jahr wurde er Professor an der Königlichen Akademie der Künste und 1829 Musikdirektor eines von ihm gegründeten Seminars an der Universität. Als Komponist vieler Lieder, Männerchöre und anderer Musikstücke, als Pädagoge, Dirigent und Organisator war er von bestimmendem Einfluss auf die Berliner Musikkultur (Quelle: Brockhaus-Enzyklopädie).

Am 5. Oktober 1974 erhielt die Eintracht beim Festkommers in der Turnhalle die Silberne Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten „aus Anlass des 100-jährigen Bestehens und in Anerkennung der Verdienste um die Pflege des Deutschen Liedes“. Die zugehörige Urkunde ist auf den 5. Oktober 1974 datiert und trägt die Unterschrift des Ministerpräsidenten Albert Osswald. Überreicht wurde sie von Landrat Martin Woythal.

Doch nicht nur die Eintracht als Verein wurde geehrt, auch einzelne verdiente Mitglieder erhielten Auszeichnungen:

Im März 1972 erhielt Johannes Keller zu seinem 90. Geburtstag aus Anlass seines 70-jährigen Jubiläums als aktiver Sänger aus der Hand von Kreisverwaltungsdirektor Hans Lenz die Silberne Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten. Am 5. November 1977 wurde dem Ehrenvorsitzenden Theodor Seiboldt für 50-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand der Eintracht das Bundesverdienstkreuz verliehen. Es wurde ihm von Landrat Hans Rüger im Rahmen des Eintracht-Konzerts in der Turnhalle überreicht.

Am 20. Juli 2013 wurde unser Ehrenvorsitzender Egon Schneider zu seinem 80. Geburtstag nach 50-jähriger Vorstandstätigkeit vom Vizepräsidenten des Hessischen Chorverbands Gottfried Schubert für seine Verdienste um den Chorgesang mit der Goldenen Ehrennadel des Hessischen Chorverbands ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielten im Laufe der Zeit eine Reihe von Vorstandsmitgliedern für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit den Landesehrenbrief und/oder die Goldene Ehrennadel der Stadt Maintal.

 

  1. Die Eintracht in der Zeit des Nationalsozialismus und im 2. Weltkrieg

Das Jahr 1933 brachte für die deutschen Vereine einschneidende Veränderungen. Im Januar war wie jedes Jahr eine ganz normale Jahresgeneralversammlung abgehalten worden. Darauf folgte im Juni des gleichen Jahres eine außerordentliche Generalversammlung, in deren Protokoll ausführlich beschrieben wurde, was sich in den Monaten zuvor abgespielt hatte. Wörtlich heißt es:

Bevor wir zur Verlesung des Protokolls schreiten, ist es unsere höchste Pflicht, die Ereignisse der nationalen Erhebung in unserem Vaterlande in den Annalen unserer Vereinsgeschichte festzulegen.

Durch die Machtergreifung unseres allverehrten Volkskanzlers + Führers A. Hitler kam auch in unserem Orte die Gleichschaltung aller ortsansässigen Vereine, welche durch den örtlichen Kommissar H. Schäfer durchgeführt wurde. Anlässlich dieser Gleichschaltung wurde unser bisheriger 1. Vorsitzender Karl Engelhardt von dem örtlichen Kommissar H. Schäfer zum kommissarischen Leiter des Vereins ernannt;

ebenso waren alle Vorstandsmitglieder, welche alle in ihrem Amte verblieben, als kommissarisch zu betrachten.

Zu Beginn der Versammlung verliest der Schriftführer ein Schreiben unseres verehrten kom. Bürgermeisters + Stützpunktleiters der NSDAP Herrn Lenz, in welchem derselbe bekannt gibt, daß die kom. Leitung des Vereins beendet ist, und unter Mitwirkung des örtl. Kommissars H. Schäfer eine neue Führung zu ernennen ist. Der örtl. Kom. ernennt alsdann K. Engelhardt zum Führer des Vereins; alle anderen Vorstandsmitglieder werden zu Unterführern ernannt.

Nachdem der ganze Verein sich zur Mitarbeit am Aufbau des Volkes und des Vaterlands bereit erklärt hatte, konnte endlich zur Tagesordnung übergegangen werden. Es ging um das Programm für die Feier des 60-jährigen Vereinsjubiläums im folgenden Jahr. Die Versammlung musste noch mit dem Horst-Wessel-Lied beendet werden, dann ging das Vereinsleben seinen normalen Gang weiter. Wenn man die Protokolle der Generalversammlungen der nachfolgenden Jahre liest, erkennt man, dass die Vereinsführung nicht aus politischen Aktivisten bestand, denn es fehlt in ihnen fast jegliche politische Propaganda. Wenn sie nicht datiert wären, könnte man bei den meisten Protokollen nur aus dem obligatorischen „Sieg Heil für Führer, Volk und Vaterland“ am Ende der Versammlungen erkennen, aus welcher Zeit sie stammen. Man gewinnt den Eindruck, die Vereinsführung hat sich abgeduckt und klein gemacht, um den Verein möglichst ungeschoren durchzubringen. Dafür mussten die Vorstandsmitglieder auch in die NSDAP eintreten, denn, wie der Vorsitzende vor einer Vorstandswahl einmal bekannt gab, war es Vorschrift, dass mindestens 51 % der Vorstandsmitglieder in der Partei sein mussten.

1939 veranstaltete die Eintracht ein Benefizkonzert zu Gunsten des Winterhilfswerks, dann begann der Krieg. Jüngere Sänger wurden eingezogen und standen als Soldaten im Feld. Für sie wurde 1940 und 1941 gespendet. Der Besuch der Chorproben ging 1940 auf durchschnittlich 30-35 Sänger zurück und verschlechterte sich mit fortlaufendem Krieg sicher weiter. Immerhin war man noch in der Lage, im August 1941 im Hanauer Standortlazarett für die Verwundeten zu singen. Die letzte Generalversammlung fand im Januar 1942 statt. Die Tagesordnung ist bekannt, aber ein Protokoll wurde nie geschrieben. Aus den sorgfältig weiter geführten Kassenbüchern lässt sich ersehen, dass der Probenbetrieb bis ins Frühjahr 1944 in sich stetig verringerndem Umfang weiter lief, denn die letzte Zahlung von Dirigentengehalt erfolgte am 1. Juni 1944. Mitgliedsbeiträge wurden noch bis Dezember 1944 eingesammelt und am 31. Dezember 1944 trug der überaus korrekte Kassierer Heinrich Sparwald noch den Jahresabschluss in das Bilanzen-Buch ein, aber es waren wie schon in den beiden Jahren davor kein Vorstand und keine Revisoren mehr da, die den Abschluss gegengezeichnet hätten. In den Kassenbüchern, die er während dieser Zeit sicher bei sich zu Hause aufbewahrte, notierte er danach: „Im Jahre 1945-1946-1947 Vereins-Sperre“.

 

  1. Die Kriegsopfer der Eintracht

Im Jahr 1921 wurden laut Bilanzen-Buch von 7 Mitgliedern insgesamt 480 Mark für die Beschaffung einer Ehrentafel für die im 1. Weltkrieg gefallenen Vereinsmitglieder gespendet.

Die im November 1921 angeschaffte Tafel mit einer Gesamtbreite von 1,13 m und einer Gesamthöhe von 1,58 m einschließlich Rahmen wurde im Saal des Vereinslokals „Zur Krone“ an der Wand aufgehängt. Auf einem Gruppenfoto der Mitglieder, das 1924 zum 50-jährigen Jubiläum der Eintracht im Saal der „Krone“ aufgenommen wurde, ist der obere Teil der Tafel halbrechts im Hintergrund zu sehen. Sie hing dort bis mindestens 1968, als die Eintracht das Vereinslokal wechselte. Da der Verein die schwere Tafel nicht mitnehmen konnte, ging sie in den Besitz unseres passiven Mitglieds Heinz Keller über, dessen Vater Reinhard Keller (20.11.1890-15.01.1926) die Tafel damals erstellt hatte. Heinz Keller hat sie uns dankenswerterweise für unser Jubiläumsjahr zugänglich gemacht.

Die Ehrentafel ist in einem schlechten Zustand. Der Zahn der Zeit, Wärme, Kälte, Licht und Feuchtigkeit haben im Laufe von über 90 Jahren ihre Spuren hinterlassen. Zentraler Blickfang der Ehrentafel ist unterhalb der Überschrift ein 29,5 cm breites und 26,5 cm hohes Gemälde, das eine verschneite Landschaft mit 9 Gräbern darstellt, wobei das vorderste durch einen Helm als Soldatengrab gekennzeichnet ist. Es ist rechts unten mit „R. Keller 1921“ signiert und hat einen derartig gemalten Rahmen, dass es aussieht, als würde man durch eine Fensteröffnung in der Tafel auf die Landschaft blicken. Links und rechts von diesem  steht  in 6  Blöcken  zu je 5  Zeilen  ein  drei-

strophiges Gedicht. Unterhalb des Gemäldes stehen neun Namen von gefallenen und vermissten Mitgliedern der Eintracht mit deren Todesdaten, alles auf einer auf dunkles Papier aufgemalten Tafel in ursprünglich vermutlich orangebrauner, jetzt graubrauner Farbe, die von einem grau- schwarzen Rand umgeben ist. Dieser Rand war mit Ranken und Blättern bemalt, die aber, da die Farbe verblasst ist, kaum noch zu erkennen sind. Das mittlerweile etwas wellig gewordene Papier befindet sich hinter Glas in einem 10 cm breiten schweren Holzrahmen von brauner Farbe, der eine Rückwand aus massivem Holz hat. Glas und Rahmen waren mit Fensterkitt verbunden, der im Laufe der Zeit bröselig geworden und teilweise nach außen, teilweise aber auch nach innen herausgefallen ist, so dass sich Kittpartikel auch zwischen Glas und Papier befinden. Die Schrift war

teilweise vergoldet, die Vergoldung ist jedoch nur noch unvollständig erhalten. Die nicht vergoldeten Schriftteile sind stark verblasst, aber aus der Nähe noch gut zu lesen. Teilweise ist das Papier der Tafel mit dem Glas verklebt, vermutlich die Folge von Feuchtigkeitseinwirkung am Lagerort.

Zur Dokumentation sollen hier sämtliche Inschriften der Tafel buchstabengetreu wiedergegeben werden, wobei die ursprünglich vergoldete Schrift farblich abgesetzt ist:

EHRENTAFEL

UNSEREN GEFALLENEN HELDEN

1914         IM WELTKRIEG         1918

Gedicht links und rechts von dem Gemälde:

(das Gedicht ist wie folgt zu lesen: erster Block linke Seite, dann erster Block rechte Seite usw.)

 

AUF FERNER AU‘

IST ES GESCHEHEN

DAS HERZBLUT

NEZT DES KAMPEES

FELD, ES WAR – –

O DASS DIE STAET=

TE WIR NICHT

SCHAUEN WO

MAN DIR GRUB

DEIN KAEMMERLEIN,

ES SEI DIR

LEICHT DIE FREM=

DE ERDE, NUN

RUHE AUS VON

KAMPF UND- –

 

 

 

 

– BESTIMMT, ES WAR

SCHICKSALS WIL=

LE, FÜRS VATER=

LAND STARBST

DU ALS HELD.

– WO KAMERA=

DEN DIR GEHAU=

EN, AUS GRO=

BEN HOLZ EIN

KREUZELEIN.

– WEH, O SCHLUMRE

SANFT IM FELD

DER EHRE, VER=

GESSEN BIST DU

NIE ADE-ADE.

                  (W. KELLER)

 

 

 

 

 

Inschrift unter dem Gemälde:

ES STARBEN DEN HELDENTOD

† UNSERE MITGLIEDER †

FRITZ SCHAEFER

ANDR. HESS

† 28.8.14

† 29.10.14

PHILIPP WOERN

JOH. SEIP

† 9.3.15

† 12.3.15

HEINR. GRIMM

JOH. FIRNGES

† 10.1.16

† 3.4.16

WILH. FIRNGES

† 8.6.17

JOH. Hr. GRAUL

WILH. WEHRHEIM

             25.10.15       vermisst      28.2.18

EHRE IHREM ANDENKEN

GES. VER. EINTRACHT-BISCHOFSHEIM

Am äußersten unteren Rand eine Zeile in kleiner Schrift:

ENTWORFEN u. AUSGEFÜHRT von MITGLIED REINHARD KELLER 20. NOV. 1921.

 

Auch im 2. Weltkrieg sind Mitglieder der Eintracht gefallen.

Eine Liste der Namen liegt uns jedoch leider nicht vor.

 

  1. Querelen und Unstimmigkeiten

Wo immer eine größere Anzahl von Menschen zusammen lebt oder wirkt, kann es nicht ausbleiben, dass gelegentlich unterschiedliche Meinungen hart aufeinanderprallen. Im Idealfall setzt man sich zusammen, diskutiert die Sache aus und entscheidet mehrheitlich. Schwierig wird es, wenn sachliche Gegensätze zu persönlichem Streit führen, auch wenn einzelne sich mit Entscheidungen nicht abfinden können und offen, oder, was noch schlimmer ist, verdeckt quertreiben. So passierte es z. B. im Januar 1933, dass der Vorstand der Eintracht komplett zurücktrat, weil der 1. Vorsitzende und der 1. Kassierer in anonymen Briefen aufs gröbste beleidigt worden waren. Erst als die Generalversammlung beschloss, den Briefeschreiber, falls er ermittelt werden würde, aus dem Verein auszuschließen, erklärte sich der Vorstand bereit, weiterzumachen. Er wurde in geheimer Wahl per Stimmzettel bei nur wenigen ungültigen Stimmen einstimmig wiedergewählt. Da die Protokolle über diesen Vorfall nichts weiter enthalten, ist davon auszugehen, dass der Briefeschreiber nicht ermittelt wurde und auch nicht mehr aktiv geworden ist.

Ein anderes Mal wandte sich der Vorstand gegen Mitglieder, die nur stänkern und opponieren, sich aber selber nicht mit einbringen, mit den Worten:

„Für Krätscher und Schmarotzer haben wir keinen Platz in unserer Sängergemeinschaft. Einzelne Personen haben keine Berechtigung, Missstimmung in unseren Verein zu tragen, die sollen dann lieber wegbleiben!“

Auch kann es vorkommen, dass zwischen einzelnen Menschen die Chemie nicht stimmt, dass also persönliche Abneigungen bestehen, die zu dauerndem Streit führen. In einem solchen Fall wird normalerweise eine betroffene Person, die sich in der Gruppe nicht wohlfühlt, den Verein verlassen. Dies ist sicher oft geschehen. Aus der Geschichte der Eintracht ist ein einziger Fall bekannt, dass ein Verursacher von Unruhen und Zwistigkeiten nicht von selber ging, sondern von einer außerordentlichen Generalversammlung mit nur einer Gegenstimme (sicher seiner eigenen) aus dem Verein ausgeschlossen wurde. Vorfälle wie die genannten sind bei der Eintracht zum Glück seltene Ausnahmen, so dass man heute mit Stolz behaupten kann, dass die Eintracht ihren Namen zu Recht trägt und ihm über die 140 Jahre alle Ehre gemacht hat und auch heute noch immer macht.

 

  1. Der Gesangverein Eintracht und der Volkschor Liederlust, zwei Brudervereine

Im Jahr 1874 wurden in Bischofsheim zwei Gesangvereine gegründet, der Volkschor Liederlust und der Gesangverein Eintracht. Nach der in der gemeinsamen Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum von 1999 abgedruckten Chronik der Liederlust wurde diese am 1. September im Gasthaus „Zum grünen Baum“ gegründet. Da die Statuten des Gesangvereins Eintracht bereits im Mai 1874 unterschrieben worden waren, muss deren konstituierende Versammlung im Gasthaus „Zur Krone“ schon vorher stattgefunden haben, das heißt, die Eintracht ist der geringfügig ältere der beiden Vereine. Da beide Vereine politisch unterschiedlich orientiert waren, die Liederlust war ein Arbeiterverein, die Eintracht gehörte zum konservativen bürgerlichen Lager, bestand immer eine gewisse Distanz und auch Konkurrenz zwischen den Vereinen. Doch die gemeinsame Liebe zum Gesang überwindet auch solche Gräben. Wie eine in der Festschrift von 1999 abgebildete Medaille oder Plakette zeigt, gab es schon zum 25-jährigen Jubiläum beider Vereine im Juni 1899 eine gemeinsame Feier.

Unbekannt ist der Eintracht, wo das Original dieses Erinnerungsstücks geblieben ist.

Die Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 traf die Liederlust ungleich härter als die Eintracht: sie wurde als Arbeitergesangverein sofort verboten, während die Eintracht geduldet wurde und bis 1944 singen konnte. In dieser Zeit sollen etliche Sänger der verbotenen Liederlust bei der Eintracht gesungen haben. Umgekehrt wurde der Liederlust schon 1945 von den Siegermächten erlaubt, wieder den Verein aufleben zu lassen, während dies die Eintracht erst 1948 durfte. Und prompt sangen ab 1945 viele Eintracht-Sänger bei der Liederlust mit – und kehrten 1948 wieder zur Eintracht zurück. In der Folgezeit zeigen die Jahresberichte, dass sich die beiden Vereine immer gegenseitig unterstützt haben, indem sie regelmäßig an den Veranstaltungen des jeweils anderen teilgenommen haben. In vielen Protokollen der Eintracht wurde die Liederlust als Bruderverein bezeichnet. Im Jahr 1999 haben die beiden Vereine sogar ihr 125-jähriges Jubiläum mit einer gemeinsamen Festschrift gefeiert.

Den Volkschor Liederlust gibt es nicht mehr. Er musste sich im Frühjahr 2013 auflösen, da sich niemand mehr fand, der den Vorsitz übernehmen wollte. Zur Nachricht von der Auflösung der Liederlust bezog der Vorstand der Eintracht in einer Notiz im Maintal Tagesanzeiger vom 17. Mai 2013 Stellung:

 

  1. Männerchor – Gemischter Chor

Die Eintracht wurde als Männerchor gegründet und blieb es fast 130 Jahre lang. Um die Jahrtausendwende machte sich auch bei unserem Chor ein Problem immer stärker bemerkbar, unter dem seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts viele Chöre leiden: die Überalterung und der Nachwuchsmangel. Es gibt sicher mehrere Gründe dafür. Da ist in erster Linie das inzwischen übergroße Angebot an Möglichkeiten zu erwähnen, wie man seine Freizeit gestalten kann. Die Gesangvereine stehen heutzutage in Konkurrenz zu einer Vielzahl an anderen Zerstreuungsmöglichkeiten, die es zur Zeit der Blüte der Vereine noch nicht gegeben hat oder die den Menschen nicht beliebig zugänglich waren, als die

Verkehrsinfrastruktur noch nicht so fortgeschritten war und nicht jeder sein eigenes Auto hatte. Für die Gesangvereine ist es auch nachteilig, dass heute in den Grundschulen nur noch wenig gesungen wird. Menschen, die nicht schon als Kinder erfahren, welche Freude gemeinsames Singen bereiten kann, werden sich auch in ihrem späteren Leben kaum dem Chorgesang zuwenden. Auch sind bedingt durch den in unserer Zeit immer größer werdenden beruflichen Stress viele Menschen dazu übergegangen, ihre Freizeitaktivitäten zu reduzieren. Es ist bei ihnen nach Feierabend nicht mehr genug Energie da, um am Abend Hobbys zu betreiben, die eigenes aktives Handeln, Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern. Um sich für den nächsten Arbeitstag zu regenerieren, müssen sie sich damit begnügen, passiv zu konsumieren. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt auch der Zeitgeist: Interessant ist überwiegend das Neue. Von Radio und Fernsehen wird man pausenlos mit den neuesten Hits berieselt, die von Ausnahmen abgesehen in einigen Monaten oder spätestens in einigen Jahren nicht zu Unrecht wieder fast vergessen sind. Wen interessiert da noch altes Kulturgut wie Volkslieder! Die Gesangvereine, die sich nicht dem Zeitgeist anpassen, die keine modernen Stücke singen, werden auf Dauer in unserer schnelllebigen Zeit nicht überleben. Es gilt, den Spagat zu schaffen zwischen Alt und Neu.

Nach dieser Abschweifung nun zurück zur Eintracht. 2003 war die Situation eingetreten, dass durch den Mangel an Sängern vor allem im 1. Tenor die Fortführung des Chorbetriebs als vierstimmiger Männerchor auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sein würde. In dieser schwierigen Situation entschied sich die Vereinsführung nach langen und kontroversen Diskussionen, den Chor in einen gemischten Chor umzuwandeln.

Viele Sänger des Männerchors konnten ihre Frauen zum Mitmachen animieren, weitere Frauen wurden angeworben, und nach der Sommerpause begannen im September 2003 die Proben als gemischter Chor. Das letzte Konzert der Eintracht als Männerchor fand am 11. Mai 2003 in der evangelischen Kirche statt, der erste öffentliche Auftritt als gemischter Chor war am 30. November 2003 beim Adventskonzert in der katholischen Kirche. Es gab nur wenige Männer, die wegblieben, weil sie sich weigerten, im gemischten Chor zu singen. Nach der Umwandlung in einen gemischten Chor erlebte die Eintracht wieder einen Aufschwung. Heute singen im Traditionschor 63 Aktive (33 Sängerinnen und 30 Sänger, Stand 31.12.2013).

 

  1. Die Voices of Harmony

Im Jahr 2009 feierte die Eintracht ihr 135-jähriges Bestehen. Bei den Diskussionen, wie dieser Anlass gebührend gefeiert werden sollte, wurde von unserem Dirigenten Sergio Goldberg der Vorschlag gemacht, einen Projektchor ins Leben zu rufen, der beim Jubiläumskonzert mit Melodien aus Musicals und mit Pop-Songs in englischer Sprache einen Kontrast darstellen sollte zum bisherigen Chor mit seinem deutschsprachigen Liedgut. Trotz viel Skepsis in den Reihen des Vereins wurde der Versuch gewagt und kräftig die Werbetrommel gerührt. Zur Überraschung vieler war der Zuspruch weit größer als erwartet. Zum ersten Treffen am 21. März kamen über 40 Interessenten, überwiegend Frauen. Nachdem sich noch einige Männer aus dem Eintracht-Chor bereiterklärt hatten, die Männerstimmen des Projektchors aufzufüllen, wurde im April 2009 mit den Proben unter der Leitung unseres Dirigenten Sergio Goldberg begonnen.

Das Konzept des Chors war es von Anfang an, Menschen anzusprechen, die gerne singen, die Musicals und Popmusik lieben, denen aber der Zeitaufwand für wöchentliche Chorproben zu groß ist. Auch Menschen, die nur singen und sich sonst an keinerlei weiteren Aktivitäten des Vereins beteiligen wollen, sind willkommen. Chorproben finden deswegen monatlich nur einmal statt, jeweils am letzten Samstag im Monat. Um trotzdem das Repertoire angemessen zu vergrößern, sind alle Sänger angehalten, zu Hause zu üben. Zu diesem Zweck erhält jedes Chormitglied eine CD, die von den aktuellen Liedern die entsprechende Stimmlage, Sopran, Alt, Tenor oder Bass, enthält (Internetnutzer erhalten die Lieder nicht als CD, sondern können sie sich aus dem Internet herunterladen). Besungen sind diese CDs von Sergio Goldberg selbst. Jeder kann also üben, wann und wo es ihm gefällt, und dies so oft, wie er glaubt, es tun zu müssen, um die Melodien sicher singen zu können. Wie man so hört, üben manche während der Hausarbeit, andere im Auto auf dem Weg zur Arbeit, wieder andere auf dem Sofa beim Ausruhen, aber alle mit viel Freude.

Nachdem das Jubiläumskonzert im Oktober 2009 ein voller Erfolg und der Zweck des Projektchors damit erfüllt war, fanden es die Sänger schade, einfach so wieder auseinanderzugehen, und sprachen sich fast einhellig dafür aus, zusammenzubleiben und weiter gemeinsam zu singen. Mittlerweile hat sich der Chor als zweiter Chor des Gesangvereins Eintracht fest etabliert. Wurde er bis dahin nur als Projektchor bezeichnet, gab er sich im Jahr 2011 einen eigenen Namen. Die Sänger wählten aus vielen Vorschlägen den Namen „Voices of Harmony“ aus. Dies passt auch ausgezeichnet, denn es bedeutet übersetzt „Stimmen der Eintracht“. Zurzeit zählt der Chor 52 Aktive (37 Sängerinnen und 15 Sänger, Stand 31.12.2013).

 

  1. Spendenaktionen

Auf Anregung einer Sängerin der Voices of Harmony, die vorher Gelegenheit gehabt hatte, sich persönlich von der Effektivität der von unserem ehemaligen Landrat Karl Eyerkaufer initiierten Hilfe für Beruwala auf Sri Lanka zu überzeugen, wurde dieser im November 2012 vom Gesangverein Eintracht eingeladen, um vor einer Chorprobe sein Hilfsprojekt den Sängerinnen und Sängern persönlich vorzustellen. Er tat dies auf eine so spannende, kurzweilige und beeindruckende Weise, dass die nachfolgende Spendensammlung einen Betrag von 800 € erbrachte, gerade so viel, wie für ein neues Wohnhaus in Beruwala benötigt wurde.

Hier eine aktuelle Information von Karl Eyerkaufer über diese Aktion, und was sie bisher geleistet hat:

 

Main-Kinzig Kreis hilft Beruwala/Sri Lanka

Seit die Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 über Sri Lanka und die Region der Stadt Beruwala hereingebrochen ist, haben die Bürgerinnen und Bürger des Main-Kinzig-Kreises, seine Schulen, Organisationen, viele Vereine und wirtschaftliche Unternehmen den Wiederaufbau der Region um die Stadt Beruwala möglich gemacht.

Mit den Spendengeldern konnten bisher 32 Schulen, 12 Kindergärten, 103 Häuser, eine Frauenklinik, eine Zahnklinik, ein Wohnblock mit 12 Wohnungen und viele weitere Projekte neu errichtet oder komplett saniert werden. Daneben wurden 35 Fischerboote, zwei Traktoren mit Anhänger, 50 Fahrräder, viele Nähmaschinen und Rollstühle angeschafft. Kanäle wurden instandgesetzt, die Müllabfuhr eingeführt und Straßen gebaut.

Viele Objekte, Gebäude und Einrichtungen tragen Namen von Gemeinden, Einrichtungen,  Privatpersonen und Vereinen, so auch ein Haus mit dem Namensschild

 

GESANGVEREIN EINTRACHT

1874 e. V. BISCHOFSHEIM

„CHOIR TRADITIONAL“ „VOICES OF HARMONY“

CITY OF MAINTAL – GERMANY

 

Diese langjährige Hilfsaktion mündete am 3. April 2013 zur feierlichen Unterzeichnung einer Partnerschaftserklärung zwischen der Stadt Beruwala und dem Main-Kinzig-Kreis.

Unter Einbeziehung der Menschen im Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Beruwala soll das Erreichte durch einen Austausch auf den Gebieten der Kultur und des Sports und vor allem durch Schulpartnerschaften fortentwickelt werden.

Die Sänger der Eintracht freuten sich, dass sie in so konkreter Weise helfen konnten. Dies ist eine Hilfsaktion, bei der gewährleistet ist, dass die Gelder zu 100 % ihrer Bestimmung zugeführt werden und nichts in dunklen Kanälen versickert.

Die Spendenaktion für Beruwala war nicht die erste der Eintracht, und sie wird sicher auch nicht die letzte gewesen sein. Schon im Oktober 2009 wurde, ebenfalls von Sängerinnen des damaligen Projektchors angeregt, im Rahmen eines Konzerts zu Spenden für die kleine Lea aufgerufen, einem damals dreijährigen Mädchen aus Maintal, das an einer seltenen schweren Krankheit leidet, für die nur sehr kostspielige und nicht von der Krankenkasse übernommene Operationen erfolgversprechend sind. Damals hatten die Sängerinnen und Sänger der Eintracht und die Konzertbesucher 900 € gespendet.

 

 

 

 

  1. Die Eintracht im Internet

Nachdem im Jahr 2009 mit Günter Röhr ein Fachmann für Computer und Internet über den Projektchor, die späteren Voices of Harmony, zur Eintracht gestoßen war, begann er bald darauf, eine Homepage für den Verein einzurichten, die er bis 2017 pflegt. Sie wurde nicht nur von den Mitgliedern mit Internetanschluss, sondern auch von vielen interessierten Nichtmitgliedern gerne angenommen. Mittlerweile wurde die Homepage schon über 56000 Mal aufgerufen (Stand 31.12.2013). Vielen Dank, Günter, für dein Engagement! Deine immense Arbeit für den Verein, gerade auch beim Layout für diese Festschrift,  ist unbezahlbar!

Auch Sie, liebe Leser, können uns gerne besuchen und sich über die Eintracht im Internet

informieren:

www.gesangverein-eintracht-bischofsheim.de

Sie finden uns auch auf Facebook:

www.facebook.com/gesangvereinEintracht

 

 

 

  1. Ausblick

Die Freude am gemeinschaftlichen Singen, der Spaß am gemeinsamen Feiern und das Bedürfnis, altes Kulturgut mit der Moderne zu verbinden, haben die Mitglieder des Gesangvereins Eintracht über 140 Jahre bewogen, ihren Verein zusammenzuhalten. Er überstand zwei kriegsbedingte Unterbrechungen der Vereinstätigkeit, hatte gute und weniger gute Zeiten. Die jetzigen Mitglieder hoffen, dass wieder mehr jüngere Menschen und Menschen mittleren Alters die Freude am Chorgesang entdecken, damit der Verein auch in Zukunft gemäß seiner Satzung „den Sinn für gute Kunst wecken, das Interesse vertiefen und damit zur Volksbildung beitragen“ kann.

 

 

 

 

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